Sardegna – WE LOVE YOU! – Die Anreise

Als letztes Jahr mein Blog entstanden ist, war unser erster Motorradurlaub daran nicht ganz unschuldig. Ich hatte nämlich während der Fahrt unglaublich viel Zeit, über vieles nachzudenken. Der Motorradurlaub 2014 war einerseits ein wenig anstrengend, andererseits wunderschön und total spannend. Für mich war es das erste Mal und ich beschloss, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist. Heuer hat es uns nach Sardinien verschlagen, natürlich wieder mit dem Motorrad und in ein sehr tolles Quartier – eine Biofarm. Da ich natürlich einiges von unserer Tour zu berichten habe, werde ich die kommenden Beiträge Sardinien widmen. Heute starte ich mit der Quartiersuche und der Anreise. Weiter geht es dann mit Beiträgen über die Biofarm, die Insel generell, die Costa Smeralda und einem Resumée.

Die Quartiersuche

Unser Ziel für unseren Urlaub war schon sehr früh klar, unklar war lange, wo bzw. wie wir nächtigen werden. Wieder auf gut Glück oder buchen wir für einige Tage auf der Insel fix etwas? Da wir letztes Jahr einerseits sehr viel Pech mit dem Wetter hatten und wir tagelang im Regen rum fuhren und andererseits das tägliche Packen sehr viel Zeit in Anspruch nahm, entschieden wir uns heuer für eine fixe Unterkunft auf Sardinien. Es begann also die Qual der Wahl, denn es gilt auszumachen, in welcher Region mensch die schönste Zeit des Jahres verbringen möchte. Direkt am Meer, eher im Landesinneren, in einer Pension, auf einem Bauernhof oder in einem 4-Sterne Hotel? Fragen über Fragen. Die Recherchen begonnen, wir sichteten unzählige Hotels und Regionen, machten PRO und CONTRA-Listen und dann stolperten wir mehr aus Zufall über die Website der Biofarm Cucche. Und wir verliebten uns gleich in den Esel, die Katzen und dem am Hof lebenden Hund. Bio löst bei mir ohnehin gleich eine Euphorie aus (daran arbeite ich aber). Aber mit dem Hintergedanken, dass ich eine tolle Geschichte für den Blog schreiben kann, war die Farm für mich als Favorit für mich schnell klar. Nach der ersten Anfrage mussten wir unseren Plan nach hinten verschieben, da die 6 Zimmer über Pfingsten ausgebucht waren. Aber egal, wir sind flexibel 😉

Beim Buchungsablauf bestätigte sich, dass die Inhaberin der Farm, Frau Renata, eine wirklich sehr nette Person, wie in den Bewertungen angegeben, ist. Der riesen Vorteil für uns nicht-italienisch-sprechende-UrlauberInnen: diese Frau spricht hervorragend Deutsch. Was mich aber noch viel mehr neben den süßen Tieren überzeugte, waren die typisch sardischen Speisen. Zum Großteil handgemacht und vom eigenen Hof. Das bekommst du in keinem Hotel! Auf Besonderheiten, wie Unverträglichkeiten, Allergien und einen vegetarischen Lebensstil wird Rücksicht genommen, wenn dies im Vorfeld kommuniziert wird – Daumen hoch!

Biofarm Cucché

Biofarm Cucché

Die Anreise

Unsere Reise begann in Wien bei sehr besch….eidenem Wetter. Ab Traiskirchen empfing uns der Regen und begleitete uns in immer stärker werdendem Ausmaß bis zu unserem ersten Ziel: Lienz. Im Lungau war sogar der Schnee zum Greifen nahe. Mit richtiger Ausrüstung und einigen Pausen zum Aufwärmen haben wir jedoch die ersten 400 Kilometer gut hinter uns gebracht. In Lienz angekommen, war unser erster Halt im Familienhotel Goldener Fisch (Zimmer um EUR 100,-/Nacht). Bereits 2010 checkten wir hier auf dem Weg zum Gardasee ein und waren mit dem 3-Sterne-Hotel sehr zufrieden. Ausgeruht ging es am nächsten Tag über Sillian, Bruneck, Brixen, Bozen bis Verona auf der Landstraße weiter – bei stolzen 10 Grad Celsius und ab Trento…. auch noch Regen. Ich „überlebte“ nur mit Hilfe von: 1x Schiunterwäsche, 2x Longsleeves, 1x T-Shirt, 1x Motorradjacke, 1x Jacke und 1x Regenjacke :p Zugegeben, es war äußerst zach, aber wir waren nicht die einzigen Wahnsinnigen, die bei diesen Temperaturen ihre Tour starteten.

In Verona mussten wir aufgrund der äußerst mangelhaften Beschilderung auf die Autobahn wechseln. Der/die Bürgermeister/in bekommt deswegen noch Post von mir. Wir sind nicht deppat, aber wir haben unmöglich wieder auf diese Bundesstraße gefunden. Generell ist das ja kein Problem, würde ich sagen, aber nach fünf Stunden Fahrt, die Hälfte davon im Regen und davor bei gefühlten Minusgraden, da sind die Nerven dann schon etwas dünn. Einen Vorteil hatte die Irrfahrt durch Verona jedoch: wir stellten fest, das diese Stadt wunderschön ist. Nette Häuser, viel Grün. Wir werden dieser entzückenden Stadt bestimmt ein paar Urlaubstage widmen, jedoch garantiert ohne Fahrzeug.

Nun gut. Nach einigen Malen Straßenkarte studieren, umkehren und wieder umkehren, haben wir endlich diese Autobahnauffahrt entdeckt und sind bis Carpi gedüst – natürlich im Regen. Eigecheckt haben wir im Hotel Carpi (Zimmer um EUR 75,-/Nacht). Und bereits hier musste ich erstmals über meinen Schatten springen und Kompromisse eingehen. Erstmal beim Abendessen. Zur Auswahl standen

  • ein Asiate, der jedoch erst in 1,5 Stunden öffnete – wir hatten jedoch schon Kohldampf
  • ein von Michelin ausgezeichneter Italiener – Menü gab´s ab EUR 50,- und
  • die wohl bekannteste Fastfood-Kette der Welt.

Die Wahl fiel nach einigen Runden um die Anlage – EKZ mit Hotel, einem Café und sonst nix – auf den Burgerbrater. Und ja, wir haben es eh bereut. Das Menü beim Italiener hätte vermutlich mehr hergegeben. Aber der Geiz überfällt auch mich hin und wieder.. Zumindest konnten wir die zweiten 400 Kilometer auch erfolgreich hinter uns lassen – Ziel erreicht. Das Frühstück im Hotel war ziemlich typisch italienisch – der Saft schmeckte nach Brause, anstatt der bei uns üblichen Saftgläser, gab es Einwegbecher (!!) und Croissants gab es in ca. 7 Ausführungen. Wegen der Becher erlitt mein Nachhaltigkeitsherz einen kleinen, ersten Schock. Sowas hatte ich noch nie gesehen.

Schiefer Turm von Pisa

Schiefer Turm von Pisa

An Tag 3 war das Ziel Livorno. Von hier startete die Fähre, die uns nach Sardinien brachte. Auch hier schlug der Geiz zu – wir fuhren in der Nacht, buchten keine Kabine, um eine Nächtigung im Hotel zu umgehen. Auch das haben wir bereut. Davor war aber noch ein Zwischenstopp in Pisa angesagt – ein Foto von diesem Turm, der eigentlich aus mehr besteht, als einem Turm, musste her. Unser Essen an dem Tag: eine kleine Pizza Magherita und am Hafen ein Sandwich.

Hafen_Livorno (4)

Am Hafen beeindruckt haben mich die „Bootalan“ – bist du, das sind riesige Schiffe. Wir switchten kurzerhand den Anbieter – es gibt nämlich zwei große Anbieter, deren Schinkael bis zu 2.200 Menschen fassen.

Warten auf die Fähre in Livorno

Warten auf die Fähre in Livorno

Gelernt haben wir an diesem Tag, dass es nicht unbedingt notwendig ist, sieben Stunden vor Abfahrt am Hafen zu sein. Um 17:00 öffneten die Ticketschalter und in der Vorsaison erhält mensch auch ungebucht recht einfach ein Ticket. Die Fähre fuhr um 23:15 los. Wir lungerten also stundenlang am Hafen, wo unglücklicherweise am Sonntag erstmal nichts geöffnet hatte, herum. Erst nach und nach entdeckten wir eine kleine Bar, dann eine Kantine in der riesigen Haupthalle. Davor verpflegte uns der Automat. Die Zeit ist überraschend schnell vergangen – ich führ das auf unsere Vorfreude zurück 😀 – und wir waren wieder einmal nicht die einzigen Wahnsinnigen, die sich die lange Wartezeit antaten. Unser Nachteil war jedoch, dass wir uns vom Motorrad und auch aufgrund unserer Kleidung, nicht weit weg bewegen konnten. Sightseeing in Livorno war also nicht. Wir stellten uns also in unserem „Gate“ in die Spur und warteten auf die Fähre – wie nach und nach hunderte andere Personen auch. Ich war von der Anzahl an Fahrzeugen, Menschen und Hunden echt überrascht. Das Rätsel, warum denn jetzt im Mai so viele Familien Zeit für Urlaub hatten, hat sich einige Tage später aufgelöst: Pfingstferien in Süddeutschland.

Unser Schlafplatz auf der Fähre

Unser Schlafplatz auf der Fähre

Wir warteten also und es entstand ein Chaos, weil ausgerechnet die MotoradfahrerInnen der Meinung waren, dass sie aus einer Spur, 3,5 Spuren zu machen haben. Sie standen ungeordnet am Emergency-Streifen und mussten dann natürlich ihre Gefährte aus der Bahn schieben, als das Emergency-Auto von hinten angerollt kam. Ich sah kein Licht für eine geordnete Einschiffung und wurde eines anderen belehrt. Die Motorräder kamen als erste dran – schwupps rauf auf die Rampe, rein in den Schiffsbauch, Seitenkoffer runter, Motorrad fixieren und rauf aufs Sonnendeck. Inzwischen fuhren schon die Autos ein, danach Busse, Wohnwägen und LKW. Das Sonnendeck inkl. Bar sollte unser Schlafplatz werden – auf den Liegestühlen hätten wir es auch gut ausgehalten, jedoch war es einfach zu windig und zu kalt. Um 1:00 wechselten wir ins Restaurant. Der Boden war zwar – eh klar – hart, aber es war zumindest warm. Um es so richtig ungemütlich zu machen, war die ganze Nacht über das gesamte Schiff – außer die Kabinen eben und das Sonnendeck – voll beleuchtet. Aber auch hier: wir waren nicht die einzigen Wahnsinnigen. Einige lagen am Gang, andere im Restaurant auf den Bänken und zwei Hardcore-Menschen mit Hund schliefen tatsächlich, vollkommen eingemummt, am Sonnendeck.

Nach einer etwas schlaflosen Nacht kamen wir um 07:30 am Golf von Aranci an. Das Ausschiffen funktionierte genauso erstaunlich flott, jede Anweisung und jeder Handgriff der Crew saß und auch der Großteil der TouristInnen spielte das Spiel mit. Nachdem der große Schwung aus dem Hafen raus war, starteten wir unsere Reise Richtung Biofarm, die wir nach ca. 1,5 Stunden Fahrtzeit gegen 11:00 erreichten. Davor gab es noch Frühstück aus dem Supermarkt.

It´s easy being green – Just do it!

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3 Gedanken zu “Sardegna – WE LOVE YOU! – Die Anreise

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