ich mach es anders

Über den Wahnsinn des Samstagseinkaufs

Der heutige Blogeintrag beschäftigt sich mit dem Wahnsinn, der an einem Samstag in einem Supermarkt zu ertragen ist. Für alle, die regelmäßig ihren Großeinkauf am Samstag bei Merkur, Penny, Hofer, Spar und wie sie alle heißen machen, empfehle ich, nicht wirklich weiter zu lesen, denn euch ist das beschriebene Phänomen bestimmt bekannt. Alle, die so wie ich, ihre Einkäufe in kleinen Tranchen nach Bedarf während der Woche erledigen, sei dieser Beitrag empfohlen. Dann seid ihr nämlich nicht so überrascht, wie ich heute. Nicht, dass ich noch nie samstags eingekauft hätte, aber wahrscheinlich habe ich immer verdrängt, was da so los war.

Warum der Supermarkt?

Morgen steht ein Brunch mit Freundinnen am Plan und da ich einen neuen Job hab, der mich erst etwas später aus dem Büro raus kommen lässt bzw. ich einen etwas weiteren Weg vom Büro nach Hause hab, haben mein Freund und ich beschlossen, heute mal so richtig einen Großeinkauf zu machen. Und das der Bequemlichkeit halber heute mal in einem Supermarkt und nicht im Bioladen oder am Markt, weil wir wussten, dass wir recht viel benötigen und wir nicht 5 Stellen abgrasen wollten. Nach langem Ausschlafen, was bei uns FrühaufsteherInnen ungefähr alle paar Monate mal vorkommt, waren wir so gegen 11:00 im Supermarkt.

Erste Station Einkaufswagerl

Die Wagerl waren ALLE weg. Wir stellten uns brav hin – Schlange gab´s noch keine, somit wären wir eigentlich als erste dran gewesen, uns ein Wagerl zu schnappen – und warteten, wie es sich gehörte, auf das Wagerl, das soeben abgestellt wurde, als plötzlich eine etwas ältere Frau total nervös nach vor rannte, um sich das Wagerl zu krallen. Mir fiel dann ein, dass die meisten Wagerl in der Garage stehen werden, weil ja alle mit dem Auto einkaufen gehen und wollte grad hin, als ein ganzer Schwung Wagerl von einer Mitarbeiterin von der Garage Richtung Wagerlabstellplatz geschoben wurde. Nun geht der vernunftbegabte Mensch davon aus, dass die wartenden Menschen (ungefähr 7 Menschen zählte ich mittlerweile) ausweichen, damit die Dame durch kann und die Wagerl zu seinen neuen Kurzzeit-BesitzerInnen kommen. Aber: Fehlanzeige. Wir waren die einzigen, die auf die Seite gingen. Nun gut, wir und alle anderen ergatterten ein Wagerl und stürmten los – also wir gingen, die anderen stürmten.

Rein in den Wahnsinn

Zuerst erwartete uns gleich die Obst- und Gemüseabteilung und gefühlt 10.000 Menschen, die das gleiche vor hatten, wie wir – Lebensmittel hamstern. Schließlich war gestern ja ein Feiertag und da neigen Herr und Frau ÖsterreicherIn bekanntlich – also davor und danach -, zu vermitteln, dass sie keine Lust auf Hunger haben. Ich selbst habe ein Jahr in einem Supermarkt gearbeitet und war von den Mengen, die vor allem vor einem Feiertag eingekauft wurden, immer überwältigt. Mein schnelles Abkassieren hat die KundInnen dann ein bissi Stress beschert 😉

Die Strategie

Gleich nach den ersten Schritten war klar: wir brauchen einen Plan. Dieser lautete wie folgt: einer parkt sich halbwegs passabel in ein Eck und der zweite geht und holt die Sachen. Dann arbeiten wir uns von Abteilung zu Abteilung vor – der eine wartet wieder, der andere hamstert, mit dem Ziel, keine Leute anzurempeln. Und das war gar nicht so einfach, weil jede/r kreuz und quer und vor allem ohne Rücksicht auf Verluste mit seinem Gefährt die Gänge unsicher machte und vor allem: Anspannung lag in der Luft.

Das Publikum

Kinder, die mit ihrem Wagerl mitten auf der „Kreuzung“ quatschen. Eine ältere Frau, die sich darüber aufregt und die Kinder ankeift, die verstört weiter fahren. Ein älterer Herr, dessen Wagerl vermutlich von dem einer etwas jüngeren Frau gerammt wurde, ihr hinterher schimpft und er von ihr den Stinkefinger gezeigt bekommt. Und dann noch ein Herr, der sich für die Ellenbogentechnik entschieden hat – heißt also Ellenbogen raus, schubsen was das Zeug hält, um möglichst schnell zum Ziel namens Kassa zu kommen. Überraschenderweise waren die Leute bei der Kassa diszipliniert. Kein Geraune, Gemurmel oder Geschimpfe, dass es zu langsam geht. Kein Schreien nach der 15. Kassa. Unter der Woche herrscht da ein anderes Bild vor – da stehen die Leut mit 2, 3 Trümmern nervösest vor der Kassa, weil vier Leut mit ebenfalls 4 Trümmern vor ihnen dran sind. Heute hatten die Kassiererinnen (ja, es waren alles Frauen) die Ruhe weg und dafür bewunder ich sie. Ich konnte das nie und ließ mich von den Kundinnen hetzen wie ein wildes Tier. Bin aber auch schon g´scheiter worden 😉 Dann noch ein Highlight draußen beim Wagerlabstellplatz: zwei Familien hatten sich entscheiden, ihre Einkäufe nicht beim Packtisch einzuräumen, wofür dieser vorgesehen war, sondern direkt vor dem Wagerlparkplatz. Zum Glück ließen sie einen kleinen Korridor frei, wo man/frau genau mit einem Wagerl zum Parken durch passte, sonst wär vermutlich Blut geflossen…

Das Fazit

Erster Gedanke: Nie wieder! Der zweite: Versuchen wir noch einen zweiten großen Supermarkt in der Nähe, bevor wir aufgeben. Und das machen wir voraussichtlich nächste Woche. Drückt uns die Daumen!

Warum ich das Thema aufgreife

Einige von euch fragen sich jetzt bestimmt, warum ich dieses Thema aufgreife. Die Antwort ist ganz einfach: ich war schockiert davon, wie gestresst die Leute durch die Gegend hetzten und wie egoistisch alle unterwegs waren. Vorfahrt gewähren? Fehlanzeige. Ausweichen? Fehlanzeige. Ein nettes Wort verlieren? Fehlanzeige. Sich entschuldigen? Fehlanzeige. Wie Pferde mit Scheuklappen sind sie durch die Gegend gerannt – oder auch einfach irgendwo stehen geblieben – und das macht mich ein wenig traurig. Das muss doch nicht sein. Gerade an einem Samstag, wo man/frau sich die Zeit nehmen sollte, zumindest in Ruhe einzukaufen. Ich bin immer wieder und in solchen Situationen besonders stolz darauf, dass meine entwickelte Entschleunigungstechnik gut greift. Ich lass mich nicht hetzen. Warum auch? Ich bin nicht wirklich schneller und gut geht es mir dabei auch nicht. Deshalb, liebe Menschheit, lasst euch einen Rat geben: Lasst euch Zeit, nehmt euch die notwendige Zeit (die hat man nicht, die nimmt man sich ist meine Devise) und hört auf, euch selbst zu stressen. Damit geht es euch und euren Mitmenschen besser. Es ist ein schwieriger Schritt und leichter gesagt, als getan, aber es ist nicht unmöglich!

 

1 KommentarHinterlasse einen Kommentar

  • Hallo!

    Dieser Beitrag bestätigt wieder einmal sehr schön, dass es eine weise Entscheidung war niemals zu Zeiten einzukaufen, wo alle unterwegs sind. Schon seit Jahren vermeide ich Abende vor Feiertagen und Samstage.

    Am liebsten dann doch am Markt oder im kleinen Bioladen. Im Supermarkt kommt im Hirn nur noch „ich will weg!!!“

    lg
    Maria

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