Was bedeutet „Ein gutes Leben haben?“

Vor kurzem verbrachte ich mit meiner Kollegin und zwei guten Bekannten einen sehr netten Abend mit gutem Essen, gutem Wein und sehr guten Gesprächen. Unter anderem kann die Diskussion auf, ob die Welt noch zu retten wäre. Die Antwort der beiden Herrschaften war eindeutig und zermürbend: Nein, die Welt ist nicht mehr zu retten. Der Mensch zerstört sich selbst, die Frage ist, wann. Jetzt gilt es die Auswirkungen so gut wie möglich abzufangen und sich die Frage zu stellen, wie man/frau sich selbst und den anderen ein gutes Leben gestalten kann. Für mich als Idealistin war das natürlich ein Schlag ins Gesicht. Trotzdem ließen mich diese Argumente nicht los und seitdem denke ich intensiv darüber nach.

Die Welt ist nicht mehr zu retten

Obwohl ich gerade dieses Argument nicht hören wollte, ich saß mit meinen Fingern in den Ohren am Tisch und sang „lalalala“ ;), ist es eine Tatsache. In Österreich leben wir vergleichsweise in einem Paradies mit guter Luft, trinkbarem Wasser und einer intakten Ökolandschaft sowie Gesellschaft. Schaut man/frau jedoch in andere Teile dieser Welt, werden Tragödien unvorstellbaren Ausmaßes sichtbar. Das reicht von Monokulturen über Aluminiumfabriken über Industrieviertel über Kohlekraftwerke über Abholzung über über über über. Jede/r kann hier noch unzählig viele Dinge rein setzten.

Die Natur des Menschen

Auf meine Frage hin, warum der Mensch so verdrottelt ist und sich und seine Umwelt selbst zerstört wurde geantwortet, dass dies nun mal in der Natur des Menschen liegt. Der Mensch will immer mehr, egal um welchen Preis. Das bestätigt meine Vermutung, dass die Gier des Menschen das größte Problem ist. Jegliche rationale Entscheidung, die für das Gemeinsame gut wären, wird durch zu viel Egoismus und die unstillbare Gier ausgeblendet. Dies widerspricht wiederum der These, dass der Mensch nur innerhalb einer Gemeinschaft überleben kann. Ich schließe mich dem Gemeinschaftsgedanken an, denn damit sind viele verschiedene Fähigkeiten abrufbar. Wird Hilfe benötigt, kann diese über ein intaktes Netzwerk sehr einfach abgerufen werden. Theoretisch jedenfalls. Denn der Mensch hat Scheu davor, andere um Rat oder gar Hilfe zu fragen. Für mich ist das ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft. Denn genau dafür sind doch Familie und FreundInnen da.

Macht

Ein großes Grundübel in der Gesellschaft ist, meiner Meinung nach, Macht. In letzter Zeit habe ich sehr viel darüber nachgedacht und mich auch recht intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Mein Fazit: Ich hasse diesen Begriff. Macht kann, wenn sie falsch angesiedelt ist und eingesetzt wird, so viel zerstören. Mir wurde einmal gesagt, dass ich vermutlich eine Person bin, die ihre Macht gerne abgibt, weil ich eben ein Problem mit diesem Begriff habe. Das mag vielleicht stimmen, aber ich bin doch gar nicht stolz darauf, Macht zu besitzen. Was soll ich damit anfangen? So wie andere es tun, um Menschen zu unterdrücken oder zu manipulieren, mich selbst zu bereichern? Nein, danke. Ich bin für mich auf der Suche nach dem Anderen. Leider werde ich voraussichtlich scheitern, denn bekanntlich machen Macht und Gier den meisten Gemeinschaften einen Strich durch die Rechnung. Außer es sind die Hierarchien ganz klar definiert. Ich versuche trotzdem für mich raus zu finden, was meine „Macht“ ist und am liebsten wäre mir dann ein neutraler Begriff dafür am liebsten.

Wie ist ein gutes Leben für alle möglich?

Bei der Diskussion an diesem Abend war zuerst mein Gedanke „Ich kann meinen Blog aufgeben, wenn das so ist.“, jedoch habe ich dann festgestellt, dass ich diesen Blog brauche, um mir und anderen ein gutes Leben zu ermöglichen. Ich bin eine von Wenigen des großen Ganzen, die noch daran glauben, das Ruder rumreißen zu können. Ich sprühe (noch) vor Idealismus und in meinem Kopf gibt es unzählige Ideen, wie ich es noch besser machen könnte. Mir ist aber auch wichtig, immer am Boden der Realität zu bleiben. Hierbei unterstützen mich mein Freund, meine Familie und auch viele FreundInnen und Bekannte, mit denen ich bislang zahlreiche Themen (oftmals kontrovers) diskutieren durfte und die mich immer wieder zur Reflexion des eigenen Denkens und Handelns veranlasst haben.

Für mich bedeutet ein gutes Leben vor allem, dass ich nicht nur auf mich schaue, sondern, so gut als möglich, einen Blick auf das große Ganze habe. Gepaart mit einer gesunden Portion Egoismus, die für mich einfach zum Überleben in dieser Gesellschaft notwendig ist, lege ich meinen Fokus auf Glück, Gesundheit und Freude am Leben. Geld trägt natürlich seinen Teil dazu bei, jedoch ist es für mich nicht primär. Obwohl jede/r den Kopf schüttelt, dass ich bei meinem letzten Jobwechsel mit weniger Gehalt in die neue Firma eingestiegen bin, zählt für mich die Freude an der Arbeit und nicht das Gehalt. Das Gehalt muss mich überleben lassen. Dazu zählen Wohnung, Essen, hin und wieder eine kleine Belohnung für mich selbst und im besten Fall einmal im Jahr ein schöner Urlaub. Beim Lebensstandard kann man/frau meiner Meinung nach immer ein paar Abstriche machen, damit sich alles auch mit weniger Geld ausgeht , jedoch kostet es extrem viel Überwindung und man/frau braucht etwas Mut, um dieses Thema anzugehen bzw. zuzulassen. Ich bin schon gespannt, wie es mir zukünftig mit weniger als zuvor gehen wird. Das Sprichwort: Geld regiert zwar die Welt, verdirbt aber auch den Charakter, wird mir dabei eine große Stütze sein 😉

Mein Ziel ist es, bewusst zu leben, die Meinung anderer zu respektieren (auch wenn das nicht immer die einfachste Aufgabe ist) und mich für eine gerechte Welt einzusetzen. Damit werde ich mein ganzes Leben beschäftigt sein. Aber es ist schön, eine Lebensaufgabe zu haben und daran zu glauben.

Was bedeutet für dich, ein gutes Leben zu haben? Was ist dir wichtig? Wie wichtig sind dir die Anderen?

It´s easy being green – Just do it!

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2 Gedanken zu “Was bedeutet „Ein gutes Leben haben?“

  1. Teilantworten oder Halt geben mir hier die Modelle der Transition Towns oder all die Initiativen, die sich mit dem Thema „Wandel“ auseinander setzen, ich hab auch schon ein paar mal darüber geschrieben. Ich denke wir brauchen als Gesellschaft eine neue Gesinnung und ich fange an sie zu leben. Du tust das auch. Was noch mehr ausgeprägt werden muss, ist der Gemeinschaftsgedanke, denn die Menschen um einen rum und ihre Fähigkeiten, gepaart mit Deinen, machen später mal vielleicht ein Überleben möglich. Ich weiß ich hör mich an wie ein Freak oder wie aus einem schlechten Film, aber ich glaube tatsächlich daran. meinen Kindern werde ich versuchen die entsprechende Gesinnung und Fähigkeiten mitzugeben, denn dienender ihre Kinder könnte es treffen. mein Mann glaubt übrigens auch noch, dass die Menschen das Ruder rumreißen können……

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