Meine Gedanken zur Sonntagsöffnung

Sonntagsöffnung ist in Österreich wieder einmal ein Thema. Gerade werden die Betroffenen zum Thema befragt. Auch ich hab mir so meine Gedanken darüber gemacht.

Ich bin eigentlich, denke ich jedenfalls, sehr weltoffen und liberal. Aber beim Thema Sonntagsöffnung merke ich, dass ich der konservativen Linie den Vorzug gebe. Mir persönlich ist der Sonntag heilig. Es stört mich nicht, dass ich keine Lebensmittel einkaufen kann, nicht  meinen Kleiderschrank mit Fetzen auffüllen kann, keinen neuen Fernseher kaufen kann. Am Sonntag gehe ich gerne spazieren und einen Kaffee trinken oder mit meinem Schatz essen. In diesem Sinne schätze ich sehr, dass die Gastronomie sonntags geöffnet hat. Wäre es nicht so, wäre das aber auch kein Problem für mich. Ich würde für mich am Sonntag andere Beschäftigungen finden. Wir schätzen die Arbeit der Kellnerinnen sehr, weshalb wir sonntags auch meist etwas mehr Trinkgeld als an anderen Wochentagen geben.

Ich kenne zahlreiche Personen, die in der Gastronomie arbeiten. Die Wochenendarbeit ist für sehr viele sehr belastend. Der Wochenrhythmus ist einfach ein anderer, als von Menschen, die im Büro, im Verkauf oder sonst wo arbeiten. Die Arbeitszeiten sind meist ohnehin auch andere, weil oftmals bis tief in die Nacht hinein gearbeitet wird. Die vom Arbeitsgesetz vorgeschriebenen freien Wochenenden? Meist Fehlanzeige in dieser Branche! Somit kann ich mir gut vorstellen, dass darunter das Familienleben, Freundschaften und eine Beziehung sehr darunter leiden. Denken wir das nun für andere Branchen weiter.

Meine Mutter ist selbstständig und hat ihr Geschäft bis Samstagmittag geöffnet. Sie hat genau 1,5 Tage Zeit, um „runter“ zu kommen. Angestellte, die im Lebensmittelhandel oder in größeren Städten arbeiten, arbeiten bis 18:00, vor Feiertagen nicht selten bis 20:00. Je nachdem, wie der Dienstplan eingeteilt ist, haben sie genau einen Tag Zeit, um sich zu erholen. Dienstpläne richten sich nämlich in den seltensten Fällen an die Bedürfnisse der Angestellten – ich habe das vor Jahren selbst erlebt. Und dann käme noch der Sonntag als Arbeitstag dazu. Dass ein Arbeitstag vieler Menschen oftmals mehr als die gesetzlich erlaubten 10 Stunden hat, erwähne ich jetzt nur am Rande. Zu all dem sage ich: Nein, danke!

Ich glaube nämlich nicht, sollte sich die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft für die Sonntagsöffnung aussprechen, dass es die Zuschläge, wie es sie jetzt für Sonntags- und Feiertagsarbeit gibt, auch weiterhin geben wird. Das wäre z. B. ein 100%-iger Zuschlag und ein freier Tag zusätzlich, vorausgesetzt der Kollektivvertrag ist ein netter. Einfach zu teuer, jedoch der einzige Ansporn für die meisten Menschen, an solchen Tagen zu arbeiten. In der Gastronomie gibt es diese Zuschläge nicht. Und ich glaube auch nicht, dass mehr Personal eingestellt wird, wenn es zur Sonntagsöffnung kommt. Die Strategie vieler Unternehmen lautet nämlich: mehr Arbeit mit gleichem Personalbestand. Geht sich schon irgendwie aus und wenn Pausen dafür gestrichen werden – da fragt eh keiner nach. Und Personal, das auf den Job angewiesen ist, regt sich nicht auf. Auch das habe ich selbst erlebt und auch dazu sage ich: Nein, danke!

Nun, es soll auf jeden Fall für Tourismuszonen Ausnahmen geben. Auch darüber habe ich nachgedacht. Klar, diese Zonen würden eventuell auch an einem Sonntag ordentlichen Umsatz abwerfen – im Gegensatz zu anderen Regionen – aber auch das, finde ich, muss nicht unbedingt sein. Wenn ich als Touristin in einer fremden Stadt unterwegs bin, finde ich es natürlich total praktisch, wenn ich irgendwo was einkaufen kann. Aber es gibt ausreichend Möglichkeiten auf Bahnhöfen oder eine funktionierende Gastronomie, die mich nicht verhungern und verdursten lassen. Mehr brauche auch ich als Touristin nicht. Und gäbe es gar keine geöffneten Geschäfte, müsste ich eben früh genug an ein Fresspaket denken. Das nennt man dann Eigenverantwortung.

Das Argument „Aber in allen anderen Weltstädten ist es selbstverständlich, dass sonntags geöffnet ist“ finde ich zum Heulen. Was ist so schwer daran, es anders zu machen, als die anderen? Warum ist es so schwer, nicht alles als selbstverständlich zu betrachten? Der freie Sonntag – von mir aus könnte es auch ein anderer Wochentag sein, aber gültig für alle – hilft den Menschen zu entschleunigen, hilft dem Konsumrausch zumindest für einen Tag zu entkommen und trägt zum sozialen Miteinader bei, da endlich Zeit für Familie und FreundInnen vorhanden ist. Sollte die Sonntagsöffnung kommen, werde ich mich davor hüten, auch nur ein Geschäft an diesem Tag zu betreten. Denn bei der Sache geht es mir um´s Prinzip und da bin ich streng zu mir selbst.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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