ich mach es anders

Vegetarisch leben? Ja, das geht

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Nach einigen Wochen des Selbstversuches oute ich mich heute. Ich bin zur Vegetarierin „mutiert“, was ja eigentlich zu meiner Lebensweise von vorne herein dazu gehören hätte müssen. Wäre ich nicht ein Genussmensch. Ich liebe gutes Essen und dazu gehörte bislang auch Fleisch. Was hat mich nun dazu veranlasst, es anders zu tun?

Wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, habe ich diese Entscheidung nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern aus ethischen getroffen. Jahrelang habe ich das Leid der Tiere ausgeblendet und sagte auch immer zu meinem Umfeld – und damit rechtfertigte ich mich selbst –  dass ich nur Fleisch esse, weil ich Profi im Ausblenden bin. Beim Motorradmitfahren bin ich das noch immer 😉

Ich habe bereits einige Dokus gesehen, darunter auch „We feed the world“, wo der Schock einige Tage lang andauerte und das Fleisch weggelassen wurde. Aber wie viele von euch wissen, vergeht das irgendwann meist wieder, wenn man/frau sich mit dem Thema nicht weiter beschäftigt. Wirklich „Klick“ hat es rund um Weihnachten/Neujahr gemacht. Über die Feiertage wurden wir mit Fleischspeisen bei den ganzen Familienfeiern überhäuft und blöd wie man/frau ist, greift man/frau auch zu, wenn man/frau eigentlich schon genug hat. Ich freute mich schon wieder auf die vegetarische Küche zu Hause in Wien.

Zusätzlich begann ich das Buch „Food Mafia“ zu lesen (nachdem ich das Schwarzbuch Markenfirmen in mich aufsaugte) und das Kapitel 3 „Ethik ade – wie Fleischproduktion wirklich funktioniert“ hat mir den Rest gegeben. Ich wusste sooooo vieles noch nicht. Alle Bereiche – Huhn, Ente und Gans, Pute, Mastschwein und Milchkuh – schockierten mich. Bei mir hängen geblieben ist Folgendes:

  • bei Puten gibt es eine eigene Hybridzüchtung (die schlussendlich in Inzucht endet, weil die besten Merkmale zwischen Vater und Tochter oder Mutter und Sohn gekreuzt werden), die hauptsächlich Brustfleisch ansetzt. So viel, dass die Tiere nicht mehr laufen bzw. stehen können, weil sie wegen dem Gewicht nach vorne fallen. Von Fliegen und auf-den-Stangen-Sitzen kann gar nicht die Rede sein. Puten aus Biohaltung gehören ebenfalls dieser Hybridzüchtung an.
  • Schweine werden hormonell behandelt, damit sie alle zugleich ihre Ferkel zur Welt bringen. Damit wird Arbeitskraft und auch Geld gespart.
  • Junge Ferkel werden von Beginn an mit Antibiotika behandelt, um Krankheiten, die aufgrund der miesen Haltungsbedingungen auftreten, abzufangen. Die Ursache wird nicht bekämpft, da zu teuer.
  • Deutschland verbietet den Verkauf von Stopflebern nicht, um Frankreich nicht zu verärgern.
  • Alle Tiere in der konventionellen Haltung erhalten Futter, das sie schneller wachsen lässt.
  • Das (Kraft-)Futter stammt zu einem Gutteil aus Gananbau.
  • Kühe bekommen Kraftfutter, das sie eigentlich gar nicht vertragen.
  • Hybridzüchtungen werden bevorzugt, weil eben bestimmte Merkmale hingezüchtet werden können. Soll es eine Milch- oder Mastkuh sein? No Problem, mit Hybrid kann ich mir das aussuchen. Damit sterben alte Rassen aus.
  • Wenig überraschend ist, dass es keine artgerechte Haltung in konventionellen Betrieben gibt. Im Buch wird detailliert beschrieben, wie das aussieht und welche Folgen das für die Gesundheit der Tiere hat. Gruselig!
  • Weiters wurde sehr gut herausgearbeitet, dass es – welch Überraschung – immer nur um´s Geld geht und die Tiere deshalb als Produktionsmaschinen und nicht als Lebewesen betrachtet werden.
  • Biologischen Betriebe haben zwar strengere Auflagen (z. B. Futter, Verabreichung von Antibiotika, Platz pro Tier), jedoch sind diese auch meist weit weg von artgerechter Tierhaltung.

Buchtipp

Ich war schon einige Zeit eine „Flexitarierin“ – den Begriff hörte ich letztes Jahr zum ersten Mal und hab mich darüber ordentlich abgekekst. Ich habe meinen Fleischkonsum stark reduziert und wenn ich Fleisch gegessen habe, dann aus biologischer Haltung. Nun bekenne ich mich zu den VegetarierInnen. Ich ertappe mich immer wieder, dass ich daran denke, dass ein Bio-Schinken am Brot jetzt ganz gut wäre oder beim Essengehen ist es noch etwas ungewohnt, auf der Seite mit den vegetarischen Gerichten zu schauen, aber ich glaube, dass es sich bald einpendeln wird. Was ich nicht schaffen werde, ist der Übergang zu den VeganerInnen, denn ich bekomm diesen ganzen Fleischersatz wie Tofu, Seithan & Co. einfach nicht hinunter. Das gleiche gilt für Milchersatz – würg. Aber Milchprodukte sind bei uns ohnehin bio. Und etwas scheinheilig bin ich nach wie vor unterwegs, da ich trotzdem noch Fisch aus biologischer Zucht esse. Aber für mich ist das ein Kompromiss, der für mich passt und der es mich trotzdem anders tun lässt. Auch wenn jetzt einige von euch mit den Augen rollen werden 😉

Wenn du auch das Buch „Food Mafia“ lesen möchtest, kannst du es dir gerne von mir ausleihen.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein „Like“ auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Ich finds super, dass du vegetarisch bist 🙂
    Aber man kann auch ohne Fleisch- und Milchersatzprodukte vegan sein 😉
    Es gibt viele Gründe, nicht vegan zu sein, aber diesen nicht 🙂
    LG Julia

    • Ja, da hast du natürlich recht. Ich wollte mich nicht gleich dazu outen, aber es ist mir (aktuell) zu mühsam. Aber wer weiß, was kommt. Vor habe ich auf jeden Fall, mal eine vegane Woche einzulegen, um zu sehen, wie es mir damit geht. LG Sabrina

  • Hallo Sabrina! Wie bei allem finde ich, dass man Dinge nicht militant durchziehen muss. Wichtig ist, dass man sich Dinge bewusst macht, was Du zweifellos tust. Ich selbst war mal 15 Jahre lang (Ovo-Lacto)Vegetarierin, allerdings ohne sonderlich darauf zu achten, dass ich gesund bleibe, was auch negative Auswirkungen hatte. Heute esse ich sehr wenig (Bio) Fleisch – wenn ich mal total Appetit drauf habe, esse ich auch welches. Mein Körper verlangt aber irgendwie gar nicht so oft danach, daher will ich es mir auch nicht verbieten. Tofu mag ich auch, aber ich könnte NIE auf Käse verzichten 🙂 So geht jeder seinen Weg, was ich sehr spannend finde, weil man viel dazulernt und viele neue Sachen probiert. Sag Bescheid wenn Du das leckerste Quinoa-Spinat-Feta-Rezept der Welt möchtest 😉 LG Miss Sunscreen

    • Danke für deine Zeilen, misssunscreen! Genau das ist mein Ziel: Neues ausprobieren, mir Dinge bewusst zu machen und das, aber ohne den Zeigefinger zu erheben (ich glaub das gelingt mir ganz gut aber auch nicht immer), zu kommunizieren. Schön, wenn das auch so wahrgenommen wird.
      Das Rezept wäre toll. Ich tob mich grad auf vegetarischer Ebene aus, wie du dir vorstellen kannst 😉 Alles Liebe, Sabrina

  • Hallöchen,

    der meiner Meinung nach beste Weg, um Gutes zu tun, ist eben, die kleinen Dinge anzugehen. Und niemand mag Leute, die sich auf das moralische hohe Ross setzen, da ist es besser, einfach die kleine gute Tat am Tag zu begehen und andere dadurch vielleicht zu inspirieren. Wenn mich die Leute selten Fleisch essen sehen und sie dadurch nachfragen, bitte sehr! =)

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