Wer schön sein will muss sich informieren – Teil 2

Nach meiner Recherche stand eindeutig für mich fest, dass ich mich und meine Haut den unzähligen Konservierungsstoffen nicht mehr aussetzen will und ich machte mich auf die Suche nach Alternativen. Naturkosmetik. Für mich behaftet mit dem Image von Birkenstock-Sandalen, selbstgestrickten Pullovern und wenig Spaß am Leben – vor allem aber kein Luxus. Meine bisherigen Produkte waren für mich ein Stückchen Luxus und Entschleunigung in meinem Alltag (das Ritual: zweimal pro Woche ein Vollbad mit Maske) und auf das sollte ich so plötzlich verzichten? Und meine Recherche brachte mich auf unzählige Hersteller – schließlich ist der Naturkosmetik-Bereich eine der am schnellsten wachsenden Branchen; man mag es kaum glauben. Von Dr. Hauschka und Weleda hatte ich ja schon gehört, haben diese Firmen doch ihren Sitz in der Nähe meines Heimatortes. Und: Ist Naturkosmetik gleich Naturkosmetik? Ein Artikel aus dem Spiegel liefert mir die Antwort:

„Woran erkennt man echte Naturkosmetik? „Am einfachsten am Siegel“, sagt Rita Stiens, Autorin des Buches „Die Wahrheit über Kosmetik“. Doch Siegel gibt es leider nicht nur eines. Bei allen zertifizierten Produkten kann man aber davon ausgehen, dass die verwendeten Substanzen ursprünglich aus der Natur kommen. Das heißt: Öle, Fette und Wachse sowie Duft- und Farbstoffe dürfen mit wenigen Ausnahmen nur aus pflanzlichen, mineralischen und – mit Einschränkung – tierischen Rohstoffen hergestellt werden. Paraffine oder Silikone sowie synthetische Duft- und Farbstoffe sind tabu. Ebenso radioaktive Bestrahlung und Tierversuche. Doch danach hört es schnell auf mit den Gemeinsamkeiten. Wie viel Prozent der Inhaltsstoffe müssen aus kontrolliert biologischem Anbau stammen? Darf Wasser in die Bio-Kalkulation mit einbezogen werden? Und auch: Wie viel chemisch veränderte Natur darf eingesetzt werden? Etwa bei den Esterölen: Dafür werden Naturöle chemisch in einzelne Fettsäuren gespalten und beispielsweise mit Fettalkoholen verbunden. Untergemischt entstehen so weiche Texturen, die schnell in die Haut einziehen und bei den Verbrauchern angeblich besser ankommen. Bei dem Siegel Natrue ist der Einsatz von naturnahen Stoffen wie Esterölen begrenzt, bei anderen Labeln jedoch nicht. Hinzu kommt: Standards legen nur Mindestkriterien fest. Ob ein Kosmetikhersteller sie gerade so erfüllt oder weit darüber hinausgeht, ist für den Verbraucher nicht leicht ersichtlich.“

Siegel und ein Leben lang Inhaltsstoffe lesen? Ich stieß auf drei Siegel, die mir gefielen- denn hier geht es auch um Nachhaltigkeit!

Ecocert, eine europäische Zertifizierungsinstanz (für das Label organisches Produkt- organic cosmetic- müssen mindestens 95% natürliche Inhaltsstoffe im Produkt sein, davon mindestens 10% biologisch gewachsen).

Soil Association, eine britische Instanz, die ein Produkt nicht zertifiziert, wenn der Inhalt nicht nur ausschließlich natürlich ist, sondern auch nicht, wenn dieser Inhalt nicht zu mindestens 70% aus ökologischer Landwirtschaft stammt. Hier spielt die Nachhaltigkeit eine extrem große Rolle.

USDA organic– die amerikanische Zertifizierungsinstanz. Wie bei der Soil Association müssen mindestens 70% der natürlichen Inhaltsstoffe eines Produktes aus ökologischer Landwirtschaft stammen. Das USDA organic seal wird auch für Lebensmittel eingesetzt- von Milchprodukten bis hin zu Nüssen.

Ich las mich durch die einzelnen Zertifitierungsrichtlinien und stellte fest, dass nicht nur streng auf Nachhaltigkeit geachtet wird – bevor so ein Produkt im Regal stehen kann, muss es etliche Prüfungen durchlaufen. Auch ist mir zudem bewusst geworden, wie schwierig es tatsächlich ist, ein Produkt zu mindestens 70% organisch zu produzieren. Es gibt allerdings auch hier einen klaren Unterschied zwischen organisch und natürlich. Organische Bio-Kosmetik garantiert, dass die Pflanzenstoffe nicht mit Pestiziden und Fungiziden behandelt wurden. Die strengen Siegel und Zertifizierungsorganisationen machen also sehr viel Sinn.

Und die einzelnen Hersteller? Alles andere als Birkenstock und Strickpulli – vom Friseurmeister, der die Chemie in seinem Salon satt hatte (Menschen im Friseurberuf haben nachgewiesenermaßen ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko aufgrund der ständigen Arbeit mit Chemikalien) und seine eigene Hair- und Skincareline herausbrachte, bis hin zu den zwei Schwestern, die in ihrer Küche anfingen, selbst Cremes herzustellen. All den Marken, denen ich begegnet bin ist eines gemeinsam: Keine gedankenlose Massenabfertigung, sondern mit Liebe hergestellte Produkte, die durch ihre modernen Texturen überzeugen und ohne synthetische Duftstoffe, Farben und Petrochemie daherkommen.

Als eine der ersten Marken stieß ich auf The Organic Pharmacy aus London. Die Gründerin, Margo Marrone, war nicht nur Apothekerin und Homöopathin bevor sie schwanger wurde und geschockt war, wie viele schädigende Inhaltsstoffe in der Kosmetik für Mutter und Kind waren. Sie beschloss daraufhin nämlich auch, dem ein Ende zu setzen und Jahre später eröffnete ihr erster Laden in der Londoner Kings Road. Seit mehr als einem Jahr benutze ich die Produkte, die nicht selten bis zu zu 95% (!!!) organisch sind und mich jede Sekunde überzeugen. Als Homöopathin und Apothekerin weiß Margo Marrone nämlich auch, welche Aktivstoffe besonders gut für die Haut sind und ihre Seren, Toner und Cremes sind vollgepackt mit den besten Stoffen, die in Kombination ein verblüffendes Ergebnis zaubern, weil die Pflanzenextrakte nicht unnötig eingesetzt werden, sondern sinnvoll, mit Bedacht und größtem Wissen. Ganz nach Marrones Motto „Be green, but always be glamourous“ machen ihre Produkte in edlen Glasflaschen und Tiegeln nicht nur einen mehr als guten Eindruck in jedem Badezimmer, sie lassen sich auch problemlos recyceln. The Organic Pharmacy ist über die Soil Association zertifiziert.

Es ist einfach nur mal interessant auf der Homepage zu schmökern. Man findet nicht nur eine Seite, die die gängigsten schädigenden Inhaltsstoffe in Kosmetik aufreiht, sondern lernt auch, wie man seine Haut wirklich pflegt. Weil ich die Produkte täglich benutze kann ich sagen: Sie arbeiten um ein Vielfaches besser als ihre synthetischen Kollegen. Nie habe ich so viele Komplimente für meine Haut erhalten, nie haben sich Produkte in ihrer Anwendung so gut angefühlt, nie haben Produkte so herrlich entspannend und natürlich frisch gerochen. Die Öle werden eben auch aromatherapeutisch eingesetzt und nicht nur, damit das Produkt nett riecht. Jede Anwendung ist also Luxus pur für mich – alles andere als Verzicht, sondern um ein Vielfaches entschleunigender als meine alte Marke. Der erste Schock – die Produkte sind überdurchschnittlich teuer – und das hat mich auch eine Zeit lang abgeschreckt. Als ich dann aber merkte, dass ich den Cremetigel schon fünf Monate benutzte und noch kein Ende in Sicht war, relativierte sich der hohe Preis für mich sehr schnell. The Organic Pharmacy bietet Skincare für Frauen und eine Linie für Männer, auch für Babys ist etwas dabei. Gesicht, Körper, Hände, Füße können verwöhnt werden und wer schon immer davon geträumt hat, sich in ein Milchbad mit echten Rosenblüten zu legen, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten, wenn er sich Cleopatras Milkbath gönnt. Das Babybad der Marke habe ich einer Freundin mit drei Kleinkindern geschenkt und sie war begeistert: Abends angewendet haben der Duft von Kamille und Lavendel die Kinder bestens auf den Schlaf vorbereitet.

Da Margo Marrone Homöopathin ist, gibt es auch körperliche Unterstützung von innen in Form von Supplements und Tinkturen, die allesamt den höchsten Standards entsprechen. Ein Konzept, das mir in seiner Ganzheit sehr gefällt. Seit 2007 gibt es auch dekorative Kosmetik unter dem Namen Organic Glam – sehr luxuriös – vom Lippenstift bis zum Nagellack ist alles dabei. Und ebenfalls unter meinen Favoriten – Duftkerzen (Jasmin oder Orangenblüte), hergestellt aus 100% Sojawachs. Diese Kerzen duften nicht nur länger sondern auch intensiver als ihre synthetishen Counterparts. Ebenso wie die vier unterschiedlichen Parfums aus wertvollen ätherischen Ölen. Man kann sich die Produkte auch sehr gut schenken lassen und sie selbst verschenken. Dabei bestellt man entweder online  oder man findet die Produkte in Wien in der Saint Charles Cosmothecary oder in der Postgasse bei Natural Cosmetics.

Andere Hersteller, denen ich bei meiner Recherche über den Weg gelaufen bin, die ich ebenfalls bemerkenswert und interessant finde und die ebenfalls eine Zertifizierung haben, sind:

Absolution- eine junge Marke aus Paris, gegründet von einer Frau, die nicht nur Chefin einer Designagentur war, sondern auch ihren Traum von der eigenen Bio-Kosmetik Linie verwirklichte. Der Clue – die Unisex Marke bietet eine Basiscreme für Männer und Frauen und so genannte Solutions – hochkonzentrierte Zusätze (vier Stück), die man mit der Creme dann mischen kann, um die Pflege der individuellen Tagesform der Haut anzupassen. Mix and Match – die Haut hat jeden Tag andere Bedürfnisse. Die Verpackung ist höchst stylisch und lässt sich problemlos recyceln, das Konzept einzigartig und sehr sympathisch. Zertifizierung über Ecocert. Erhältlich unter  www.absolution-cosmetics.com oder bei Natural Cosmetics in der Postgasse.

Pai Skincare- eine Marke aus Großbritannien, die besonders für empfindliche Haut entwickelt wurde. So hatte die Gründerin selbst Hautprobleme und schaffte es, diese mit organischer Hautpflege wieder loszuwerden. Die Marke ist über die Soil Association zertifiziert und hinterlässt bei mir einen sehr positiven Eindruck. Erhältlich unter www.paiskincare.com oder bei Natural cosmetics.

John Masters Organics – nach seinem Gründer John Masters benannt, der in SoHo in NYC seinen Friseursalon zu einer Oase für organische Kosmetik gemacht hat. Er wollte einfach keine synthetisch stinkende Salonluft mehr für seine Kunden und seine Mitarbeiter und entwickelte zuerst eine höchst effektive Haircare- Line, der dann später die Hautpflege folgte. Klares Design und USDA organic Zertifizierung bei den meisten seiner Produkte überzeugen. Einfach online schauen. In Wien erhältlich bei der Saint Charles Cosmothecary, Natural Cosmetics und Müller.

Tata Harper- eine Frau, die alle Hautpflege Produkte auf ihrer Farm in Vermont in den USA produziert. Luxuriös und für höchste Ansprüche lässt sich diese Skincare Line bei Natural Cosmetics in der Postgasse finden.

Sowohl John Masters als auch Tata Harper kommen aus den USA. Die Produkte haben somit eine längere Anreise und auch hier sollte man sich vielleicht Gedanken zur Nachhaltigkeit machen.

Wenn man mal nach Österreich schaut gibt es da auch Möglichkeiten.

Susanne Kaufmann – Frau Kaufmann gehört nicht nur das Hotel Post in Bezau, einem Ort im Bregenzer Wald – nein, sie hat auch ihre eigene Skincare Line entworfen und vertreibt diese scheinbar äußerst erfolgreich. Ihre Produkte werden im hoteleigenen Spa und im Spa eines Berliner Hotels angewandt. Das Design ist schlicht und klar, die Wirkstoffe kommen aus der Gegend, natürliche Wirkstoffkosmetik nennt sich das Ganze. Die Produkte sind auch erhältlich in der Naturparfümerie Staudigl im ersten Bezirk.

Less is more- dieser Name dürfte manchen schon bekannt sein, liest man doch glücklicherweise immer wieder von den sympathischen Produkten von Friseurmeister Hannes Trummer und der Chemikerin und Aromatherapeutin Doris Brandhuber. Eine wundervolle Symbiose, die Produkte sind auf die verschiedenen Bedürfnisse der Kunden, die zweifelsohne im Mittelpunkt stehen, abgestimmt und in ständigem Kontakt mit dem Verbraucher entwickelt worden. Die Salons fallen im 6. und 7. Wiener Bezirk mit einer wohltuenden Schlichtheit auf, dass es eine wahre Freude ist, einfach nur mal reinzuschauen. Und wieder gilt: ökologischer Anbau so viel wie nur möglich spiegelt sich im Produkt wieder. Ich besuchte Less is more zwei Mal und war begeistert von Service und Ambiente. Die Produkte wandern inzwischen von Wien in die ganze Welt – zum Glück! Less is more, bei der Saint Charles Apotheke, bei Natural Cosmetics und in den eigenen Friseursalons.

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