Check die Firma

Die Bekleidungsindustrie ist annähernd so komplex und schwer zu durchschauen, wie die Kosmetikindustrie, wenn nicht gar noch viel komplexer. Mittlerweile habe ich mich in beiden Gebieten nach vorne gearbeitet. Im Bereich Bekleidung ist mir die Clean Clothes Kampagne eine sehr große Hilfe, da sie regelmäßig Firmen und Labels bewertet. Verarbeitet in kleine Booklets, können diese ganz praktisch in der Geldbörse oder in der Handtasche beim Kleidungskauf mitgetragen werden. Ich kaufe nun schon geschätzte 90 Prozent meiner Kleidung bei Anukoo oder Göttin des Glücks, auch bei Schuhen achte ich auf nachhaltige Produktion. Jedoch kommt es immer wieder doch vor, dass ich ausweichen muss, da GDG und Anukoo nur bestimmte Materialien verwenden können, da andere Materialien als Baumwolle einfach noch nicht zertifiziert sind. Nun gibt es bereits H&M, C&A, Esprit und viele andere, die Produkte aus Bio-Baumwolle in ihrem Sortiment haben und ich habe viele Bekannte, die meinen, dass das besser sei, als gar nichts. Das stimmt verkürzt gesehen schon, aber man muss sich die gesamte Kette ansehen.

Bei Produkten aus Bio-Baumwolle bezieht sich das Ökologische tatsächlich nur auf den Anbau des Rohstoffes. Man/frau darf nicht vergessen, dass vor allem das Färben der Materialien eine große Gefahr für Mensch und Umwelt mit sich bringt, da hier mit den wahnsinnigsten Methoden und Chemikalien, meist ohne Schutz für die ArbeiterInnen, hantiert wird. Und seit den Katastrophen in den Nähfabriken in Indien sollte jedem/jeder, dem/der die Welt nicht ganz egal ist, wissen, dass die NäherInnen meist unter unwürdigsten Bedingungen unser T-Shirt oder unsere Hose zusammennähen. Ich möchte dir die Postkarten von Clean Clothes nicht vorenthalten, die ganz plakativ zeigen, wie viel eine NäherIn an einem T-Shirt oder einer Hose verdient. à Postkarten

Der Existenzlohn ist für Clean Clothes wesentlich und die Organisation sagt ganz klar, dass kein Unternehmen von sich behaupten kann, „fair“ oder „ethisch“ zu produzieren, solange kein Existenzlohn bezahlt wird. Der Existenzlohn sichert Nahrung, Wohnraum, Gesundheit, Bildung, Bekleidung, Mobilität und Rücklagen. Alles, was für Menschen in unseren Breitengraden selbstverständlich ist. Bei jedem Shopping (ja, gelegentlich begleite ich meinen Freund bzw. Verwandte und Bekannte und bin jedes Mal von diesem wahnsinnig großen Angebot an Kleidung geflasht) hole ich mir diese Tatsachen in mein Bewusstsein und ich schaffe es tatsächlich sehr gut, mir nichts zu kaufen, was nicht fair produziert wurde.

Ich möchte euch nun das Booklet „Firmen Check – Auf dem Weg zu einem Existenzlohn?“ von Clean Clothes vorstellen.

Folgende Kategorien gibt es:

Gut: Arbeiten an der Bezahlung eines Existenzlohns wurde von keiner Firma erreicht

Auf dem Weg: Erste konkrete Schritte, aber noch viel zu tun Switcher, Zara, Tchibo

So lala: erste Ansätze, aber noch nicht überzeugend Puma, H&M, Primark, Adidas und Reebock

Nachlässig: Notwendigkeit wird anerkannt, jedoch wenig Unternehmungen für Umsetzung Takko, Converse, Nike, Lidl, C&A, Jack&Jones, Only, Vero Moda

Ungenügend: kaum Einsatz für einen Existenzlohn Gucci, Promod, Pimkie, Esprit, Orsay, Eastpak, Liee, Timberland, Vans, Wrangler, Hofer, Vögele, Joop, Mango, Triumph, Versace

Keine Antwort: mein Diplomarbeitsbetreuer sagte immer: keine Antwort, ist auch eine Antwort und da hat er Recht. Armani, Desigual, Diesel, Hugo Boss, KiK, Levi´s, Lous Vuitton, Mexx, Replay, S. Oliver, Sisley, Tally Weijl, United Colors of Benetton

Für mich ist der Firmen Check eine enorme Bereicherung beim Einkauf von Bekleidung, denn somit kann ich quasi das geringere Übel für mich wählen. Ich gehe nicht mehr zu C&A, dafür etwas lieber zu H&M und meine Sportsachen werden zukünftig von der Marke Puma, Adidas oder Reebock sein (Firmen, die nachhaltig produzierte Sportbekleidung anbieten formieren sich gerade und ihre Auswahl ist noch sehr bescheiden, was für Frauen mit meiner Figur oft ein Problem darstellt). Ab der Kategorie Nachlässig interessieren mich die Firmen nicht mehr. Ich war positiv davon überrascht, dass Tchibo im Ranking so weit vorne ist, da ich immer der Meinung war, dass sich bei diesen Preisen bestimmt nichts ausgeht, aber offensichtlich habe ich mich getäuscht. Auch dass H&M so weit vorne ist, hätte ich mir nicht gedacht. Enttäuscht war ich von Switcher, da ich der Meinung war, dass diese Firma durch die Zertifizierungen sich im grünen Bereich, also Gut, befindet. Bezeichnend finde ich auch, dass zahlreiche Designerbetriebe es nicht wert fanden, eine Antwort zu liefern bzw. jene, die es taten, sich in der Kategorie „Ungenügend“ befinden. Es macht mich traurig, dass vor allem hier so eine Unmenge an Geld an Kleidungsstücken verdient wird und die Lebensumstände der ArbeiterInnen, die die Teile endfertigen, keinerlei Beachtung geschenkt wird. Das geht für mich einfach nicht zusammen!

Nicht vergessen: die Konsumenten haben eigentlich die Macht. Werden bestimmte Dinge nicht mehr nachgefragt, veranlasst man/frau damit, dass die Firmen beginnen, nachzudenken. Aktionismus bringt natürlich einiges mehr, aber all jene, die gern still demonstrieren ist es ein Weg, bestimmten Firmen keinen Umsatz mehr zu bringen.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

4 Gedanken zu “Check die Firma

  1. Hallo!

    Also von H&M bin ich nicht so überzeugt. Schau mal hier https://ichkaufnix.wordpress.com/2015/01/15/der-textilschwede-ist-conscious-und-mein-neffe-schuchtern/

    Das Thema ist ja so schwierig, weil so viele Unternehmen greenwashing machen und nur ganz kleine Teilbereiche ihrer Kollektion grün machen und nach außen hin sich so präsentieren. Abseits dieser winzigen Palette kauft man jedoch keinswegs das, was man gerne möchte.

    Mir ist das Thema insgesamt viel zu kompliziert, ich möchte aus Kleidung auch keine Wissenschaft machen. Daher habe ich beschlossen nur noch das zu tragen, was kein anderer anziehen will und sonst am Müll landen würde. Das kommt mir derzeit wirklich am sinnvollsten vor.

    lg
    Maria

    • H&M ist auch nicht mein Liebling, so wie so viele konventionellen Firmen auch, die Greenwashing betreiben. Trotzdem suche ich mir Wege, die mir richtig erscheinen. Second Hand ist ein Weg, der Kauf zertifizierter Kleidung mein zweiter. Und natürlich das Credo „weniger ist mehr“ und ich trag meine Stücke im Schnitt bestimmt 5 Jahre oder länger. Dazu hab ich noch einen „Kastensturz“ vor, wenn es die Zeit zulässt.

      Ich finde trotzdem wichtig, dass es dieses Sichtbarmachen von CC gibt, da damit Otto und Ottilie Normalverbraucher erreicht werden können. Wir beide, würde ich sagen, sind dafür nicht die Zielgruppe. Wo die Leute ihre Kleidung kaufen, ist ihnen überlassen. Aber vielleicht denken sie dann beim nächsten Einkauf über das Thema nach.

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