ich mach es anders

Das Klimaparadoxon

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Wolfgang Mehl, ehemaliger Geschäftsführer von Klimabündnis Österreich und nun tätig für Klimaschutzprojekte im (Sub)arktischen Norden Europas, schrieb im November-Südwind-Magazin über das Klima. Sein Beitrag hat mich sehr überzeugt, weshalb ich ihn hier wiedergeben möchte.

Er beantwortet die Frage, warum Klimawandel ein Thema von maximal mittlerer politscher Priorität ist, mittels 8 Thesen:

  1. Gewöhnung und Mangel an persönlicher Betroffenheit: Seit Anfang der 1990-er Jahre ist Klimawandel das zentrale Umweltthema. Trotzdem spüren die allermeisten, jedenfalls in den reichen Ländern, kaum Auswirkungen auf das tägliche Leben. Das Gefühl der konkreten Gefahr fehlt.
  2. Die Komplexität: Klassische Umweltthemen wie Luftverschmutzung oder Ozonloch sind einfach zu erklären und einfacher zu lösen: z. B. durch Verbote bestimmter Substanzen oder Filter für Schornsteine. Maßnahmen sind lokalwirksam und sichtbar. Das Thema Klimawandel verlangt eine weitgehende Umstellung des Energiesystems und einen Bruch mit dem Dogma des ständigen Wirtschaftswachstums.
  3. Auseinanderfallen von „Tätern“ und „Opfern“: Historisch sind die Industrieländer des Nordens für 85 Prozent des menschgemachten Treibhauseffektes verantwortlich. Die Folgen strafen meist und zuerst die Länder des Südens. Vereinfacht ausgedrückt: Die Niederlande können sich höhere Dämme leisten, als Bangladesch.
  4. Belohnung des Fehlverhaltens: Klimaschädliches Verhalten bringt oft kurzfristige Vorteile. Ein Beispiel aus der Arktis: Mehr Erwärmung führt zu weniger Polareis, das erleichtert die Gewinnung von Öl, Gas und Rohstoffen, was wiederum zu weiterer Erwärmung und Abschmelzung führt.
  5. Mangelnde politische Priorität: Finanzminister, die Budgetziele verfehlen, bekommen unmittelbar Probleme. Umweltminister, die Klimaziele ignorieren, müssen kaum Konsequenzen fürchten.
  6. Klimaschutzverpflichtungen als Niederlage: Die internationalen Klimaverhandlungen seit Kyoto 1997 sind von einer Grundregel geprägt: Wer sich zu konkreten Zielen verpflichtet, verlässt die Verhandlungen als „Verlierer“, akzeptiert scheinbar wirtschaftliche Nachteile.
  7. Keine Welt ohne fossile Energie: Die Entwicklung von Wohlstand für Teile der Weltbevölkerung seit der industriellen Revolution ist untrennbar mit der Verfügbarkeit von billiger fossiler Energie in der Form von Kohle, Öl und Gas verbunden. Erdölprodukte durchdringen unsere Gesellschaft, ein Leben ohne scheint undenkbar.
  8. Unglaubwürdigkeit der „Klima-Promis“: Leonardo di Caprio spricht beim UNO-Gipfel. Gleichzeitig liest man, dass derselbe auf der Luxusyacht eines arabischen „Ölprinzen“ gesehen wurde.

Das Jahr 2014, das wärmste seit den Aufzeichnungen, hat uns gezeigt, dass uns der Klimawandel nicht wurscht sein kann. Und ich bin der Meinung, es hat uns vor allem gezeigt, dass es den Klimawandel eindeutig gibt. Bis Ende Dezember waren auf Facebook die schönsten Blumen zu sehen, die auf den Balkonen oder Gärten blühten. Im burgenländischen Neusiedel haben drei Störche aufgrund der Witterungsbedingungen ihren Abflug nach Afrika versäumt, die Boote am Neusiedlersee wurden so spät wie, denke ich, noch nie, eingewintert.

Ich spazierte bis Mitte Dezember mit meiner Frühlingsjacke durch die Gegend und hätte am Christkindlmarkt Bier bevorzugt, da es für Punsch einfach zu warm war. Hätte, weil ich war nicht – ich steh nicht so auf Massenaufläufe. Und die Menschen waren krank: kämpften mit Verkühlungen, Grippen und Lungenentzündungen. Und das ist alles nicht normal. Deshalb ist es so wichtig, dass das Klima endlich einen Platz in der Politik bekommt. Und diesen Platz müssen wir, die Zivilgesellschaft einfordern, denn die Klimakonferenzen haben uns bislang gezeigt, dass auf politischer Ebene einfach gar nix weiter geht. Es gibt laute Beiträge wie die Teilnahme an Demonstrationen oder aber auch stille, wie meinen Blog, der Ideen, wie jede/r Einzelne dem Klimawandel entgegensteuern kann, verbreitet oder auch Petitionen. Wichtig ist einfach, dass wir etwas tun. Gemeinsam schaffen wir das!

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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