ich mach es anders

Warum wir es heuer nicht krachen lassen

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Silvester war früher eines meiner Lieblingsfeste. Gemeinsam mit den Freunden feiern, das große Feuerwerk im Ort um Mitternacht bestaunen und Walzer tanzen. Seit dem letztem Jahr kann ich nicht mehr feiern, weil mein Freund und ich mit unseren beiden Katzen Boris & Raußerl mitleiden. Wir blieben letztes Jahr, weil unsere zwei Racker Autofahren hassen, das erste Mal über Silvester in Wien. Zu Silvester entschlossen wir uns dazu, auch weil das Wetter nicht ganz so toll war, zu Hause zu bleiben und mal zu beobachten, wie es unseren Samtpfoten mit der Knallerei erging. Ab 23:45 knallte und blitzte es für ca. eine Stunde, Stunden davor erhielten wir bereits einen Vorgeschmack, was auf uns zukommen würde. Was da aber kam, konnte ich mir nicht vorstellen – meine Assoziation: so muss es im Krieg sein. So was habe ich noch nie erlebt! Die Knallerei am Land ist dagegen harmlos. Aufgescheucht und ängstlich versuchten die Mietzen, ein Plätzchen in Sicherheit zu finden. Die vorbereitete Höhle nahmen sie nicht an und da wir erst kurz zuvor in die Wohnung eingezogen waren, hatten wir noch keine Vorhänge, was bei dieser irren Knallerei bestimmt ein großer Nachteil war. Die Regel, die Katzen nicht zu trösten, also auf keinen Fall anzugreifen, fiel uns äußerst schwer. Man/frau schaut einfach nur hilflos zu.

Nach dieser Horrornacht fing ich erst so richtig an, über das Thema Silvester und Feuerwerkskörper, nachzudenken. Nicht nur unsere Katzen waren verstört. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was in den ganzen Tieren in freier Wildbahn vorging. Die sind der Knallerei schutzlos ausgeliefert und durch den hellen Himmel bestimmt total verstört. Der Umweltaspekt ist der zweite Aspekt, der bei dieser Knallerei schlagend wird. Jede Rakete schießt Unmengen an Schwarzpulver in die Luft und man/frau riecht das am nächsten Morgen noch. Wir gingen am Neujahrstag auf den Kahlenberg und entdeckten auf den Gehsteigen riesige, teilweise selbst gebastelte Knallkörper. Und da komme ich zum dritten Aspekt: dem Gerscht´l. Frau und vor allem Herr Österreicher/in geben einen zweistelligen Millionenbetrag für Knallkörper aus und das, obwohl rundherum gejammert wird, dass kein Geld übrig bleibt und alles teurer wird. Aber für Raketen ist das Geld da. Hier wird nicht viel überlegt, wie viel ausgegeben wird. Ja, Silvester ist nur einmal im Jahr, schon klar, und man/frau möchte es bunt haben. Aber ich praktiziere schon seit über zwei Jahrzehnten die Rolle der Zuschauerin. Menschen rund um mich herum geben so dermaßen viel Geld für Raketen aus, dass es ausreicht, diese aus der Ferne zu beobachten. Somit schau ich auch, aber ich gebe keinen Cent dafür aus.

Was mich auch stört ist die Tatsache, dass das Abschießen von Feuerwerkskörpern in besiedeltem Gebiet und bei Menschenmassen eigentlich verboten ist, die Leut es trotzdem wie verrückt tun. Allein bei uns im Hof wurden zahlreiche Feuerwerke gezündet – das Highlight war eine Wohnung gegenüber, die Kleinstraketen aus der Loggia geschossen haben. Ich möchte nicht, dass jemandem die Freude genommen wird, ich appelliere nur an die Vernunft jedes/r Einzelnen. Auch zu Silvester habe ich das Gefühl, dass wir im Überfluss leben. Eigentlich können sich die Menschen das Wohnen oder Essen kaum mehr leisten, aber für Feuerwerke ist das Geld da. Geschossen wird überall, ohne Rücksicht auf Verluste. Ob man/frau sich selbst oder andere verletzen könnte, ist überhaupt kein Thema. Die bekannte Mundl-Silvester-Episode ist nicht von weit her – wir warten, bis mal eine Rakete bei uns im Wohnzimmer landet.

Für mich wäre die beste Lösung, dass das „feuerwerken“ eingeschränkt wird. Ein zentrales Feuerwerk im Ort, gut einsehbar von vielen Richtungen, für eine halbe Stunde sollte uns doch reichen. Wäre das Realität, könnten auch wir Silvester mit Familie und FreundInnen feiern. Da wir unseren Mietzen jedoch aufgrund der Knallerei ein halbwegs normales Umfeld bieten müssen, verbringen wir die Nacht in trauter Viersamkeit. Die Umwelt würde es auch danken, würde die Knallerei eingeschränkt werden und über das Börserl brauchen wir gar nicht erst reden.

Somit: Prosit Neujahr und vielleicht denkt der/die eine oder andere an die ganzen Viecherln, wenn eine Rakete gezündet wird.

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