Was das Görschitztal mit dem Goldabbau gemeinsam hat

In jüngster Zeit sind die österreichischen Zeitungen über Berichte der Umweltkatastrophe in Kärnten voll. HCB (Hexachlorbenzol) wurde frei gesetzt und hat das Erdreich als auch die Luft kontaminiert, weshalb das höchst giftige Industriechemikal in den ökologischen Kreislauf gelangt ist. Große Mengen an Milchprodukten, Gemüse und Obst aus der Umgebung wurden bereits vernichtet, das Blut der Menschen wird getestet, um das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe abschätzen zu können. Den Behörden war bereits im März 2014 bekannt, dass der Grenzwert überschritten war, die Bevölkerung erlangte davon erst im November 2014 Kenntnis. Warum? Die Behörden redeten sich auf die Amtsverschwiegenheit raus. Es war ihnen angeblich untersagt, Informationen an die Öffentlichkeit zu geben. Wie so viele ÖsterreicherInnen auch, stelle ich Frage: Geht´s noch???

Rein aus menschenrechtlicher Sicht hätten die Behörden die Öffentlichkeit informieren müssen, da Staaten auch zu präventiven Maßnahmen verpflichtet sind, um Verletzungen der Europäischen Menschenrechtskonvention hintanzuhalten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat bereits mehrfach Staaten wegen mangelnder Schutzvorkehrungen verurteilt. Sind wir mal gespannt, ob auch Österreich mit einer Verurteilung rechnen muss.

Hannes Tretter, Professor für Grund- und Menschenrechte an der Uni Wien, schreibt dazu im Standard vom 20./21.12.2014 in seinem Kommentar:

Steht […] der begründete Verdacht im Raum, dass die Gesundheit von Menschen gefährdet oder gar schon beeinträchtigt ist, dann dürfen politische und wirtschaftliche Interessen oder Ängste nicht dazu führen, dass der betroffenen Bevölkerung gegenüber Tatsachen verschwiegen oder die Situation verharmlost wird. Die Menschen haben ein Recht auf Information, um selbstbestimmt entscheiden zu können, wie sie auf eine Gefahr reagieren. Zudem sind sie in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen, wie dies im HCB-Fall endlich zumindest ansatzweise geschieht.

Ortswechsel:

Über 900 mit Quecksilber vergiftete Bauern und Bäuerinnen in Peru, durch Arsen und Quecksilber verseuchte Fischerdörfer in Indonesien und mit Natriumcyanidlauge vergiftete Flüsse in Rumänien. Das alles nur, damit der Goldrausch der Menschen gestillt werden kann. Nicht nur Umweltkatastrophen werden dadurch verursacht, auch Landraub, Korruption, Vertreibung, soziale Konflikte, Schmuggel, Steuerbetrug und etwa Kriege zwischen großen ausländischen Gold- bzw. Bergbaukonzernen und indigener Bevölkerungsgruppen werden mit dem Abbau von Gold in Verbindung gebracht. Dies ist alles bekannt, leider kann kaum dagegen vorgegangen werden, da Regierungen nicht selten mit internationalen Bergbaukonzernen unter einer Decke stecken und sogar die Polizei gegen die indigene Bevölkerung einsetzt, wenn sich diese gegen diese verheerenden Goldabbauprojekte wehren. Im peruanischen Dorf Kanaris, dessen indigene BewohnerInnen erbitterten Widerstand gegen die Goldabbaupläne des kanadischen Unternehmens Candente leisten ist die Realität diese, dass die Polizei das Bergwerk beschützt und nicht die Menschen. Drei absurde Beispiele möchte ich in Zusammenhang mit dem Goldabbau noch liefern, bevor ich zu den wenigen Alternativen komme, die es im Goldbereich gibt:

  • Die meisten Goldminen sind von den Unternehmen kontrollierte Herrschafts-Enklaven. VertreterInnen von Behörden brauchen eine Genehmigung, bevor sie die Minen betreten, um die Standorte inspizieren zu können. Auch die technischen Daten und Informationen stammen von den Unternehmen selbst.
  • Der peruanische Bergbauminister ist für die Förderung der Entwicklung des Bergbaus als auch für die Genehmigung von Umweltverträglichkeitsprüfungen zuständig.
  • Die Mitgliedschaft beim United Nations Global Compact (UNGC), auf Initiative des Weltwirtschaftsforums, basiert auf freiwilligen Grundsätzen zur Wahrung der Sicherheit und der Menschenrechte. Die Mitgliedschaft basiert eben auf Freiwilligkeit. Ob die Kriterien eingehalten werden, überprüfen die Unternehmen selbst oder Prüfungsfirmen, die von ihnen bezahlt werden. Zahlreiche Firmen, die Mitglied des UNGC und auch in anderen Zusammenschlüssen sind, die der CSR der Unternehmen nutzen, wird jedoch bereits längst vorgeworfen, für Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden verantwortlich zu sein.

Vor ca. 10 Jahren gründete sich eine NGO-Koalition unter Führung von Earthworks und Oxfam, um den Problemen im Goldabbau entgegen zu steuern, indem die Kampagne „No dirty gold“ gestartet wurde. Die „Golden Rules“ verpflichteten die teilnehmenden 100 Juwelierketten, kein Gold von Unternehmen zu beziehen, denen Menschenrechtsverletzungen oder Umweltsünden vorgeworfen werden. 2005 wurde eine eigene Zertifizierungsorganisation, der Responsible Jewellery Council (RJC) gegründet, dem mittlerweile 450 Firmen angehören. Im Bericht von 2013 mit dem Titel „More Shine than Substance“ ist nachzulesen, dass vor allem in den Bereichen Umwelt und ArbeitnehmerInnenrechte große Schwächen vorhanden sind und es auch an Transparenz mangelt. Die Schwierigkeit so großer Zertifizierungsorganisationen liegt in der Rückverfolgbarkeit des Goldes vom Abbauort bis zum/r EndabnehmerIn.

Kleinere Initiativen waren und sind erfolgreicher. FAIRTRADE Gold (gegründet von FAIRTRADE International) und Fairmined Gold sind zwei solcher Vorzeigeinitiativen. Sie arbeiten direkt mit Gemeinschaften in Lateinamerika und Afrika zusammen, die Gold im Kleinstbergbau gewinnen, womit die Rückverfolgbarkeit gewährleistet ist. Die Gewinne bleiben im Land und in der Community, weshalb den Beschäftigten und ihren Familien ein besseres Leben gewährleistet wird. Auch bei den kleinen Initiativen gibt es noch Probleme mit der Umweltzertifizierung, da noch nicht alles Gold ohne Quecksilber und Cyanid gewonnen werden kann. Es wird jedoch daran gearbeitet, um diese Chemikalien nicht mehr verwenden zu müssen. Es gibt bereits Pilotprojekte, die auf chemikalienfreie gravimetrische Verfahren zur Goldgewinnung setzen. Es braucht jedoch noch viel Zeit und viel Geld, um in diesem Bereich tatsächlich umfassend erfolgreich zu sein.

FAIRTRADE hat ein eigenes Gütesiegel für Gold eingeführt, das ohne Chemikalien gewonnen wurde – das „Ecological Gold“-Siegel. Auch ohne Chemikalien sind die Auswirkungen des Goldabbaus auf die Umwelt verheerend. Das bedeutet, dass Initiativen wie FAIRTRADE Gold und Fairmind Gold klein bleiben müssen, um nachhaltig bleiben zu können.

Nur 9 Prozent des Goldverbrauchs entfallen auf die Industrie und Zahnmedizin, der Rest wird als Schmuck oder Wertanlage verwendet. Es ist bereits so viel Gold im Umlauf, dass der Goldbedarf in der Industrie und Zahnmedizin ohne jede Goldförderung abgedeckt werden kann. In Österreich gibt es eine einzige Schmuckmanufaktur, die Schmuckwerkstatt Skrein im 1. Wiener Gemeindebezirk, die die gesamte Produktion auf recyceltes und faires Gold umgestellt hat. Neugold wird von FAIRTRADE zertifizierten Vorlieferanten bezogen. Das Ziel des Firmeninhabers Alexander Skrein liegt darin, Aufklärung zu betreiben, BranchenkollegInnen zum Umstieg zu bewegen und ihnen seine Expertise anzubieten. FAIRTRADE-zertifizierte Goldpartnerbetriebe gibt es z. B. in der Schweiz, Kanada, Belgien, Dänemark oder in Großbritannien.

Der Kreis schließt sich

Warum habe ich nun einen Zusammenhang mit der Kärntner Umweltkatastrophe hergestellt? Wir ÖsterreicherInnen haben nun erfahren, welch tragische Auswirkungen chemische Gifte auf Mensch und Umwelt haben können. Die Spätfolgen sind noch nicht absehbar. Wir haben erlebt, was passiert, wenn die Informationspolitik nicht funktioniert, wie hilflos die Bevölkerung der Politik und den Behörden ausgeliefert ist, wenn Informationen nicht weiter gegeben werden. Dies passiert Menschen in Regionen, wo Gold abgebaut wird, ständig und niemand redet darüber, obwohl die Behörden wissen, welche Konsequenzen der Goldabbau mit sich zieht – für Mensch, Tier und Natur. Unser aller Gier nach Gold trägt dazu bei, dass die Umwelt zerstört wird und Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Das muss aufhören! Auch hier gilt wieder für mich: weniger ist mehr. Für Schmuck der Schmuckwerkstatt Skrein muss ich einige Zeit sparen, aber ein Kettchen oder Ring wird auch mich eines Tages einmal schmücken und ich freu mich jetzt schon darauf. Österreich muss mit einer Verurteilung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte rechnen. Schadensersatzzahlungen können kalkuliert werden, obwohl diese keine gesundheitlichen Schäden reparieren können. Die Bauern und Bäuerinnen in Peru oder Fischer und Fischerinnen in Indonesien sind jedoch aufgrund anderer, unfairer Voraussetzungen und der kapitalistischen Gier der Weltbevölkerung sich selbst überlassen. Sie haben meist keine Behörden über sich, die sich für ihre Interessen einsetzen geschweige denn, sie bei Fehlverhalten entschädigen. Tun wir gemeinsam was dagegen:

It´s easy being green – Just do it!

Quellen:

  • David-Freihsl, Roman (18. Dezember 2014): Máxima Acuna und der Fluch des Goldes. Der Standard, S. 14f.
  • Tretter, Hannes (20./21. Dezember 2014): HCB-Skandal: Keine Rede von Amtsgeheimnis
  • Südwindmagazin Nr. 12 Dezember, Schwerpunkt Gold, S. 27-36

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