ich mach es anders

Geiz ist einfach nicht geil

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Wieder einmal ein Artikel im Standard vom 21. November 2014 veranlasst mich dazu, ein Thema aufzugreifen – nämlich die Pleiten von lokalen Familienunternehmen. In diesem Fall betrifft es das Traditionsunternehmen Metz aus dem fränkiischen Zirndorf, einer der letzten TV-Hersteller Deutschlands. Billiggeräte aus Fernost machten es der Firma immer schwerer, ihre Premiumgeräte am Markt zu halten, den „geiz-ist-geil“-Elektronikmärkten zu trotzen und dem Fachhandel die Hand zu reichen. Nachdem bereits andere Marken aus Deutschland wie Loewe, Grundig, Normende, Telefunken und Saba pleite gingen oder verkauft wurden, trifft es nun auch Metz. Warum ich die Geschichte aufgreife? Weil sie sehr gut aufzeigt, wie die Menschen in unseren Breitengraden selbst dazu beitragen, dass traditionelle Familienbetriebe zugrunde gehen. Auch wenn sie noch so lange kämpfen, irgendwann darennt es sie alle. Und das ist schade. Ist es wirklich so geil, dass ich einen Fernseher im Wohnzimmer habe, der unter miesesten Bedingungen zusammengebaut wurde? Muss es sein, dass ich immer den größten und neuesten und damit geilsten Flatscreen im Wohnzimmer stehen habe? Steht es nicht den ArbeiterInnen in Fernost zu, einen Lohn, der ihnen und ihrer Familie das Überleben sichert und noch ein bisschen mehr, zu erhalten? Dem bekannten Argument, dass den Menschen in den Ländern des globalen Südens dadurch die Arbeit weggenommen wird, kann ich nichts abgewinnen. Warum? Weil Arbeit trotzdem vorhanden ist. Es gibt auch in den Ländern vor Ort eine Nachfrage, die sogar steigt, würden die Löhne steigen. Bei weniger Nachfrage, jedoch höheren Löhnen hätte auch diese Menschen eine verdiente 5 bis max. 6-Tage-Woche, 8-12 Stunden-Arbeitstage und abgegoltene Überstunden. Mir ist bewusst, dass das schön klingt, in der Praxis schwierig ist, jedoch bin ich ein Mensch, der daran glaubt, dass sehr vieles möglich ist, wenn man/frau nur daran glaubt und hart dafür arbeitet.

Ja, ich bin dafür, dass die Menschen auf allen Erdteilen dieser Welt Arbeit haben. Nein, ich bin nicht dafür, dass sie zu Hungerlöhnen arbeiten müssen, damit wir EuropäerInnen uns die Teile möglichst billig kaufen können. Ja, ich bin dafür, dass es höhere Löhne für die ArbeiterInnen gibt und dafür, dass das Produkt teurer wird. Denn das könnte eventuell auch dazu führen, dass wir nicht immer das Neueste, Aktuellste haben müssen, denn das Alte tut es auch. Wir, die Wegwerf- und Überflussgesellschaft, könnten somit etwas in die Schranken gewiesen werden.

Die Globalisierung ist meiner Meinung nach schon zu weit fortgeschritten. Das Auslagern in noch billigere Produktionsländer ist viel zu einfach und – ausgenommen für die betroffenen ArbeiterInnen – ohne Konsequenzen. Und so kann es nicht mehr weitergehen! Wir tragen selbst dazu bei, dass Arbeitsplätze im Land verloren gehen, da billig geil ist und wir in Kauf nehmen, dass die Unternehmen absiedeln, weil es eben dort billiger geht. Ich bin überzeugt davon, dass die KonsumentInnen mit ihren Kaufentscheidungen sehr viel Einfluss haben. Das bedeutet natürlich oft teurer, dafür weniger aber oftmals auch mehr Qualität und eine längere Haltbarkeit. Auf jeden Fall kann sich jede/r einzelne von uns für bessere Bedingungen in den Produktionsländern einsetzen. Bei der Kaufentscheidung von Elektrogeräten, insbesondere im Bereich der Unterhaltungselektronik, ist die Bewertung von grüner Elektronik von Greenpeace sehr hilfreich – gibt´s auch für´s Handy.

Ganz im Sinne von Ulli Burchardt: Ausgegeizt – Wertvoll ist besser!: It´s easy bing green – Just do it!

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