Entschleunigung Teil II

Am Montag habe ich mir den Knöchel verstaucht, als ich, patschert wie ich bin, die letzte Stufe im Fitnesscenter übersehen habe. Ich hatte Glück im Unglück, denn ich bin schon wieder ganz flott unterwegs. Nicht so flott wie sonst, aber es geht schon ganz gut. Dies bot mir in dieser Woche wieder einmal die Gelegenheit, über das Thema Entschleunigung nachzudenken, da ich aktuell noch zu jener Personengruppe gehöre, die sich etwas langsamer als der Durchschnitt zu Fuß fortbewegt. Vor allem in der Früh muss ich aufpassen, dass mich in den U-Bahnstationen niemand über den Haufen rennt.

Ich mach es ja ohnehin schon oft, aber jetzt noch viel bewusster: die Menschen dabei zu beobachten, wie sie zur U-Bahn hetzen, denn die nächste kommt ja erst in 5 Minuten. 5 MINUTEN und dafür riskieren die Menschen alles, nur um die U-Bahn oder den Bus zu erwischen. Und es ist ganz egal, wie alt dieser Mensch ist – alle, bis auf wenige Ausnahmen, rennen und fahren ihre Ellenbogen aus. Am wahnsinnigsten sind jene, die sich die Challenge geben, so lange zu warten, bis durchgesagt wird „zurück bleiben bitte“, dann los rennen und kurz bevor die Türen schließen sich noch rein zwängen. An schlechten Tagen würde ich sie gerne mit meiner Faust begrüßen, denn das ist reine Dummheit und gefährdet nicht nur sie selbst. Als Pazifistin existiert diese Vorstellung jedoch nur schlechten Tagen in meinem Kopf, niemals nicht würde ich gewalttätig werden – das steht mir nicht. Nicht mal verbal.

Ich rate jedem/jeder von euch, wenn ihr in Wien lebt oder mal zu Besuch seid: konzentriert euch auf die Gesichter der Menschen, wenn noch 20 Meter und eine Menschenmasse zwischen ihnen und einer U-Bahn (die U2 Station Schottentor eignet sich hervorragend dafür), die soeben die Tür geöffnet hat, liegt. Und wenn eine U-Bahn brechend voll ist, wartet auf die nächste. In 99% der Fälle ist diese dann angenehm leer, weil sich alle, wieder bis auf wenige Ausnahmen, in den vollen Waggon rein quetschen. Egal ob ein Fahrrad, ein Roller oder Kinderwagen dabei ist – das geht sich noch aus. Ich steh dann meistens hinten, beobachte, schmunzle und stell mir die Frage, ob diese Menschen tatsächlich die Angst haben etwas zu versäumen, wenn sie auf den nächsten Zug warten, denn der kommt vor allem in der Früh schon in 2-3(!) Minuten.

Ich bin auch gerannt – früher. Bis ich einmal einem Mann in die Arme gefallen bin, weil ich – ja erraten – überknöchelt habe. Das war mir so peinlich, dass ich seitdem kaum noch Schuhe mit Absätzen trage bzw. wenn, dann quasi zur U-Bahn schleiche. Und an diesem Tag habe ich gelernt, dass es sich überhaupt nicht auszahlt. Jede/r der/die mit dem Öffinetz in Wien nicht zufrieden ist rate ich, einmal Urlaub in Barcelona, Malta oder Düsseldorf zu machen. Klar es geht immer besser, aber die drei genannten Beispiele zeigen hervorragend, dass es auch viel schlechter geht. In diesem Sinne:

Chill out – be green!

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