ich mach es anders

z o t t e r Schokoladen Manufaktur – geniales Konzept, geniale Schokolade

Als ehrenamtliches Mitglied bei FAIRTRADE Österreich hatte ich am 28.11. im Rahmen eines MultiplikatorInnen-Workshops von Südwind die Möglichkeit, endlich die z o t t e r Schokoladenmanufaktur im steirischen Riegersburg zu besuchen. Und obendrein die Ehre, Hrn. Sepp Zotter persönlich kennen zu lernen. Zotter-Schokolade bewegt sich im für uns oberen Preissegment und ich bekam schon oft zu hören: Zotterschokis sind eh gut, aber einfach überteuert. Wer aber bei Zotter war, geht mit ganz anderer Meinung nach Hause. Ich fuhr so begeistert nach Hause, dass ich euch nun unbedingt meine Eindrücke darbringen muss. Achtung: der Beitrag ist lang, aber ich denke doch sehr lesenswert. Außerdem gibt es diesmal viele Fotos.

Begonnen hat unsere Führung mit zwei Filmen. In einem wird die Geschichte der z o t t e r Schokoladenmanufaktur (inkl. Pleitegeier) erzählt, der zweite Film zeigt die Zotters in Belize, wo die Lieferant/innen der Kakaobohnen besucht und der komplizierte Kakaoanbau erklärt wurde. Schon in den Filmen hatte man/frau das Gefühl, dass es sich bei Sepp Zotter um eine sehr authentische Person handelt und er ist es tatsächlich. Josef Zotter strotz vor Ideen, was die 365 verschiedenen Schokoladekreationen, der Ideenfriedhof, die Idee seiner Insektenschokolade oder die des essbaren Tiergartens – wofür er eine Sondergenehmigung des Landes Steiermark erhielt – beweisen.

Josef Zotter - immer mit zwei verschiedenen Schuhen unterwegs

Josef Zotter – immer mit zwei verschiedenen Schuhen unterwegs

Josef Zotter in Action

Josef Zotter in Action

Bei einem Gläschen Wein erzählte er uns über das Projekt in Shanghai (seine Tochter betreibt dort ein Geschäft und es boomt), über die Schwierigkeit, das Thema fairer Handel an den/die Konsument/in zu bringen, über die Wichtigkeit, dass nicht der Markt oder der/die Konsument/in bestimmt, was ein/e Unternehmer/in tut, dass eine 100g Schokoladetafel mit fair gehandelten Zutaten nie unter EUR 2,- kosten kann und über sein heimliches Projekt in Kolumbien gegen den Drogenhandel. Schon im Film hatte Sepp Zotter zwei verschiedene Paar Schuhe an, um zu zeigen, dass es auch anders geht. Auch an diesem Tag hatte er einen roten und einen grünen Schlapfen an 😉

Der riesige Gag war die sogenannte Insektenschokolade. Der Clou: zuerst kosten, dann erst schauen, was es ist. Ich kam aber dann drauf, dass da nicht nur Insekten verarbeitet wurden. Nachdem ich die Antwort auf die Frage erhielt, was denn für ein Insekt in der Blutrausch-Schoki war, war ich fertig mit Kosten. Schweineblut zählt nämlich echt nicht zu meinen Lieblingsspeisen und auch Fischköpfe sind für mich schwere Kost – allein die Vorstellung *wähhh*. Ich nenn diese Schokoladen zukünftig nur mehr Kotzproben, obwohl ich sagen muss, das die meisten gar nicht so schlecht waren. Er hat schon recht: zuerst kosten, dann schauen, denn sonst hast du verloren.

Flasche mit Insektenschokolade

Flasche mit Insektenschokolade

Kotzprobe 1: Fisckopfschokolade

Kotzprobe 1: Fisckopfschokolade

Kotzprobe 2: Mehlwürmerschoki

Kotzprobe 2: Mehlwürmerschoki

Ein Kilo der Buffalo Worms kostet ca. EUR 80.-. Ein Insekt braucht ca. 1,6 kcal Futter, um 1 kcal Fleisch anzusetzen. Eine Kuh braucht dafür 18 Kilokalorien Futter. Insekten sind somit weitaus effizienter.

Kotzprobe 3: Buffalo Worms-Schoki

Kotzprobe 3: Buffalo Worms-Schoki.

Bevor es in das Schoko- Laden-Theater ging, durften wir den Maschinenpark und das Kakaobohnenlager besichtigen. Eine Hitz, aber sehenswert. Schon dort beginnt die Verkostung fermentierter und gerösteter Kakaobohnen, von Walzenschokolade, Kuvertüre und es gibt Schokobrunnen in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Nach den ersten vier Stationen erwarteten uns weitere 14 – unter anderem: die gesamte Loboko-Reihe, zahlreiche Trinkschokoladen, alle Mitzi Blues, dazwischen gibt´s Flic Flocs und Nibs, die Balleros-Linie und am Ende dann noch die handgeschöpften Schokoladen als running chocolate. Der Tipp vieler Menschen, die schon einmal bei Zotter waren, nämlich sich sehr zusammenzureißen, um nicht mit Übelkeit die Verkostung zu verlassen, ist nicht nur so daher gesagt und echt Gold wert. Bei mir hat es geklappt, obwohl ich bestimmt eine der größten Schokotigerinnen bin und mich bei Schokolade kaum beherrschen kann. Wie schon erwähnt, gibt es 365 verschiedene Kreationen (für jeden Tag eine), täglich werden vier bis sechs Tonnen Schokolade bei Zotter hergestellt und zwar von der Bohne bis zum Reigel (bean to bar). Das machen nur ganz wenige Chocolatiers – in Österreich genau drei. Für Sepp Zotter ist eine hervorragende Qualität der Kakaobohnen vorrangig – er bezahlt auch für seinen Kakao pro Tonne bis zu 7.000 USD (der Weltmarktpreis liegt für eine Tonne bei 3.000 USD) und vertritt die Meinung, dass Kakao aufgrund seiner intensiven Bewirtschaftung eigentlich 20.000 USD/Tonne kosten müsste. Zotter versucht Handwerk mit Hightech zu verbinden und natürlich auch neue Trends mitzugehen (z. B. vegane oder raw-Schokolade – wobei bei Schokolade ein “medium”raw notwendig ist. Raw – also roh – sind Lebensmittel, die nicht mit mehr als 40 Grad erhitzt wurden. Bei Kakao sind zumindest 50 Grad notwendig – deshalb medium-raw.).

Kakaobohnen-Lager

Kakaobohnen-Lager

Maschinenpark

Maschinenpark

Es gibt auch eine hauseigene Kaffeerösterei. Guten Kaffee erkennt man/frau daran, dass ein weißes Häutchen bei der Bohne zu sehen ist. Ist dieses weiße Häutchen nicht vorhanden, wurde der Kaffee zu lange geröstet.

hauseigene Kaffeerösterei

hauseigene Kaffeerösterei

Schokobecken

Conchier-Becken

Die Schokobrunnengalerie ist sehr beeindruckend und, meiner Meinung nach, die erste gefährliche Stelle für SchokotigerInnen.

Schokobrunnen

Schokobrunnen

Die Zotter-Trinkschokoladen werden auf der kleinsten Seilbahn der Welt präsentiert. Der Gast kann entweder ein Glas heißer Milch haben, um eine Sorte zu probieren oder aber man/frau kostet sich mit einem Mini-Papierbecher einfach durch alle Sorten durch. Ich hab mich natürlich für Variante 2 entschieden und entdeckte viele, mir noch unbekannte, Sorten.

Trinkschoko-Gondeln

Trinkschoko-Gondeln

Verkostung von über 20 Trinkschokoladen

Verkostung von über 20 Trinkschokoladen

Die Verkostungs-station, bei der ich dann eingebrochen bin, war jene der Balleros. In kupferfarbenen Mini-Mischmaschinen wurden ca. 20 Sorten angeboten und ich griff mehrmals zu. Z. B. Traube-Nuss, Sauerkirsch, Pistazie-Nougat; einfach lecker.

Pralinenparadies

Ballerosparadies

Pralinenmischmachin ;)

Ballerosmischmaschin 😉

Das Grande Finale liefert das running chocolate, bei dem in Running Sushi-Manier die handgeshöpften Schokoladen angeboten werden. Das Band rennt ganz schön schnell, aber sonst würde man/frau ewig stehen. Ich hab ungefähr 15 Minuten für einen Durchgang benötigt, ließ Unmengen an Sorten aus, weil ich ja haushalten musste und hatte doch so viele Schokis auf meinem Verkostungslöffelchen, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste, welche Schoki ich mir gerade in den Mund steckte. Die Gier is a Teifl…

Running Choclate

Running Choclate

Zu guter Letzt gibt´s natürlich vor dem Ausgang noch einen riesigen Zotter-Shop, in dem all die Köstlichkeiten und noch viel mehr zu erstehen waren. Angefangen von Adventkalendern, Christbaumbehang, Schoko-Laden über Lunch-Sackerln (Bruchschokolade) und Biofekt war alles dabei. Einen kleinen Auszug meiner Ausbeute möchte ich euch nicht vorenthalten 😉

Verkaufsraum

Verkaufsraum

Mi-Xing Heart

Mi-Xing Heart

Mitzi Blue

Mitzi Blue

Zotter Biofekt

Zotter Biofekt

Und ganz am Ende noch ein Foto der bissigen Bewohner im Vorraum des BesucherInnen-WCs:

Piranhas am Klo

Piranhas am Klo

Putzerfisch am Klo

Putzerfisch am Klo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles in allem bietet Zotter seinen Besucher/innen ein tolles Programm, das von Weiter- und Bewusstseinsbildung (Kakaoanbau, essbarer Tiergarten) bis zu Genuss und notwendiger Selbstdisziplin reicht. Ich werde auf bestimmt wieder einmal hinfahren, denn auf jeden Fall möchte ich noch den essbaren Tiergarten, für den leider keine Zeit war.

It´s easy being green – Just do it!

 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: