Das manomama-Plagiat aus Indien…

oder auch: dm hat es diesmal ordentlich verkackt. Gestern machte ein Blogbeitrag von Mamamiez die Runde: dm ließ in Indien Taschen, wie sie auch vom Augsburger Unternehmen manomama produziert werden, plagiieren, ohne Sina Trinkwalder (GF Manomama) darüber zu informieren. Sie ist jetzt mit einer Konkurrenz konfrontiert, die nicht hätte sein müssen. Ich bin neu in der BloggerInnneszene und deshalb mit meinem Kommentar dazu etwas spät dran, aber mir war es wichtig, eine Nacht darüber zu schlafen. Zuerst war ich der Angelegenheit gegenüber noch etwas moderat eingestellt, aber als ich die Stellungnahme von dm zur Causa las, war es für mich vorbei – dm hat es eindeutig verkackt.

Die Stellungnahme des GF Christoph Werner ist auf der dm Homepage nachzulesen. Ich möchte hier meinen Senf zu jenen Passagen dazu geben, die mich einfach fassungslos machen:

  1. „In der öffentlichen Diskussion zum Thema Entwicklungshilfe wird häufig kritisiert, dass aus den Dritte-Welt-Ländern lediglich Rohstoffe bezogen werden, die Veredelung der Produkte aber bei uns stattfindet, ob es sich um Seltene Erden für Mobiltelefone oder um landwirtschaftliche Produkte wie Baumwolle handelt. Länder wie beispielsweise Indien verbleiben dadurch auf dem Status eines Rohstofflieferanten, wenn der Rohstoff Baumwolle nach hier transportiert wird und dann die Produktion in Europa durchgeführt wird.“

Die Begriffe Entwicklungshilfe und Dritte-Welt-Länder in einem Satz gemeinsam zu erwähnen, weckt die Studentin der Internationalen Entwicklung wieder in mir. Diese Begriffe sind aus den letzten Jahrzehnten – die NGO-Szene hat sich in den letzten Jahren um eine Begriffsänderung bemüht, die eine Kommunikation auf Augenhöhe ermöglicht. Der Begriff der Entwicklungshilfe wurde bereits vor mehreren Jahren durch Entwicklungszusammenarbeit ersetzt und für Dritte-Welt-Länder ist nicht einmal mehr der Begriff der Entwicklungsländer passend. Die Einteilung der Weltregionen in 1., 2. und 3. Welt hat sich bereits vor Jahren aufgelöst und heutzutage spricht man/frau von Ländern des globalen Südens/Nordens, wenn man/frau seinen/ihren Mitmenschen auf dieser Erde respektvoll begegnen möchte. Diese Wortwahl bedeutet für mich, dass dm keinesfalls im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Was mich jedoch noch narrischer macht, ist das Argument der Rohstoffverarbeitung. Herrn Walter ist offenbar entgangen, dass vor allem im Textilbereich die Verarbeitung der Rohstoffe in Billigstlohnländern stattfindet und die Textilverarbeitung zum Großteil aus Europa ausgelagert wurde, weil es noch billiger geht. Er hat offenbar nicht wahrgenommen, dass genau deswegen das Projekt von manomama so genial ist, weil es Sina Trinkwalder geschafft hat, die Wertschöpfung in Deutschland zu halten, dass sie in der Textilverarbeitung wertvolle Arbeitsplätze schafft und auch dafür sorgt, dass das Praxiswissen in dieser Branche damit auch noch in Europa bleibt. Wenigstens sind die indischen Taschen GOTS zertifiziert, was gewissn ökologische und soziale Standards garantiert, aber die Tatsache, dass es sich bei Indien immer noch um eines der billigsten Produktionsländern für Textilien handelt, bleibt bestehen.

Das Abschlusskommentar der Pressemeldung „Dass sich die Taschen aus Deutschland und Indien ähneln hat einen guten Grund: Wir haben in der Vergangenheit unterschiedliche Formen, Farben und Muster produzieren lassen und angeboten. Das aktuelle Design ist bei unseren Kunden am beliebtesten.“ ist für Sina Trinkwalder wahrscheinlich ein voller Schlag ins Gesicht. Sie leistete jahrelang harte Arbeit, um ihr Produkt zu platzieren und wird nun von ihrem eigenen Auftraggeber so grauslich hintergangen.

Am Ende möchte ich klarstellen, dass ich prinzipiell nicht dagegen bin, Produkte made in India, die GOTS zertifiziert sind, zu kaufen. Ich finde nur die Vorgehensweise und Argumentationslinie von dm einfach nicht in Ordnung. dm zwingt mich jetzt dazu, zwischen einem Sozialprojekt in Deutschland und einem in Indien zu entscheiden, wenn ich eine Stofftasche benötige. Ich würde die manomama-Tasche nehmen, um dm zu zeigen, dass die Aktion nicht in Ordnung war. Ausbaden müssen das die indischen Produzentinnen – ein Teufelskreis, wo ich dm die Schuld gebe, da sie die Aktion gar nicht kommuniziert haben und mit der Ähnlichkeit der Taschen die Konsumentinnen in die Irre führen. Das ist manomama, den indischen Produzentinnen und den dm-Kundinnen gegenüber einfach nicht fair.

Für mich habe ich generell nachgedacht, ob ich weiterhin Kundin von dm bleiben möchte. Da die Abhängigkeiten eines/r Durchschnittsbügers/in von den vorhandenen Strukturen gravierend sind und auch ich irgendwo mein Häuselpapier kaufen muss, habe ich für mich folgenden Kompromiss beschlossen: ich kaufe weiterhin bei dm ein, jedoch keine Eigenmarken mehr. Meinen (bereits erstellten) Beitrag über die Kosemtika von Alverde bzw. bigood werde ich nun in Pest oder Cholera umbenennen.

 Übrigens: Das Thema hat neben zahlreichen anderen Medien auch in den Spiegel geschafft.

Sometimes it´s difficult being green 🙁

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