EKZ killt Ortszentrum

„Der leise Verfall am Alsergrund“ titelte der Standard am 23. Oktober und berichtete über die Abwanderung von Geschäften und dem Aussterben des UnternehmerInnentums in der Gegend zwischen Gürtel und Währinger Straße. Anfang Oktober war ich mit meiner Schwester in Klagenfurt. In der Stadt fiel uns ganz extrem auf, dass so ca. jedes gefühlte 3. Geschäftslokal zu mieten wäre. Auf Nachfrage bei einem Bekannten bestätigte uns dieser, dass das auch in Villach der Fall ist. Begründung: die Geschäfte ziehen in die Einkaufszentren am Stadtrand. Meine ehemalige Heimatbezirkshauptstadt Hartberg als auch das Nahe gelegene Oberwart kennen das selbe Phänomen. Und vor einigen Monaten stellte ich fest, dass auch meine alte Heimatgemeinde in diese Richtung denkt. Für mich einfach ein Skandal. Warum?

Erstens, weil ich ein Mensch bin, der Einkaufszentren hasst. Ich schlender viel lieber die Einkaufsstraßen unter freien Himmel entlang – das hat meiner Meinung nach viel mehr Flair. Aber das lasse ich jedem/jeder seine/ihre Sache sein. Viel, viel schlimmer ist das Aussterben des KleinunternehmerInnentums in Stadtzentren bzw. Straßen. Ich habe den „Verfall“ selbst in Hartberg erlebt. Als ich dort noch zur Schule ging, war in der Stadt immer was los. Die Kaffees waren gut besucht, es gab zahlreiche Lokale zum Fortgehen, das Angebot der Geschäfte war ganz passabel. Die FUZO an sich, war immer nett und lud zum Spazieren ein. Dann wurde dieses Einkaufszentrum gebaut und die Geschäfte fingen nach und nach an, abzuwandern. Mittlerweile hat es sogar den Libro am Hauptplatz erwischt und nur noch wenige traditionelle Familienunternehmen, die sich über ihre treue Stammkundschaft freut, bringt noch etwas Leben ins Zentrum.

Am Alsergrund (9. Wiener Gemeindebezirk), andere Stadt, selbse Phänomen: Bäckereien, Bankfilialen, Eisenwarenhandlungen, Restaurants und Blumenläden schließen. Als Ursache wird der fehlende Zusammenhalt der Geschäftstreibenden vom Wiener Einkauufstraßenverein ausgemacht sowie die fehlende Vernetzung unter den Hauseigentümern, wie die Bezirksvorsteherin, Martina Malyar von der SPÖ meint, die auch an kurzfristigen Vermietungen Interesse haben. Übrig geblieben sind Nagelstudios, Solarien oder Etablissments, die Traumdeutung und Kartenlegen anbieten. Dazu kommt, dass in der Nähe eine Drogenberatungsstelle eingerichtet werden soll, was die AnrainerInnen laut aufschreien lässt. Ein Anrainer analysiert aber zu recht, dass nicht diese Beratungsstelle dafür verantwortlich ist, dass der Bezirk verkommt, sondern Automatenlokale und Billigläsen einfach das städtische Flair vermiesen. Als Lösung wird die Möglichkeit der Pop-up-Stores überlegt – einige haben sich schon angesiedelt.

Oberwart, 40 km von meinem Heimatort entfernt: zuerst das Einkaufszentrum in Unterwart, was noch etwas Leben in der Stadt ließ. Seit einigen Jahren gibt es nun das so genannte EO. Das zieht alles ab, was in Unterwart unterwegs war und auch ziemlich viel, was direkt in der Stadt vorhanden war.

Und jetzt werde ich wieder ein Sterben miterleben: Mitten im 10. Wiener Gemeindebezirk. Grund: das neue Einkaufszentrum im Hauptbahnhof. Wie die Fotos unten zeigen, handelt es nicht mal um ein schönes EKZ. Wie lange es das kleine aber doch noch feine EKZ Columbuscenter am Columbusplatz schaffen wird durchzuhalten, bleibt abzuwarten. Das Abwandern von interessanten Geschäften in der Favoritenstraße hat bereits begonnen und wird noch stärker zunehmen. Billigshops und Kebabstände sind bereits in der Überzahl. Angeblich erlebte dieses Schicksal auch die Mahü – mittlerweile eine sehr nette FUZO. Ich kenn sie aber nur so, deshalb hab ich darüber noch nie nachgedacht.

EKZ Hauptbahnhof Wien

EKZ Hauptbahnhof Wien

EKZ Hauptbahnhof Wien

EKZ Hauptbahnhof Wien

EKZ Hauptbahnhof Wien

EKZ Hauptbahnhof Wien

Was mich eigentlich am meisten schockt: vor einigen Monaten erfuhr ich über facebook, dass der Ausbau des Impulszentrums in meiner ehemaligen Heimat Vorau angedacht wird, um mehr Geschäftstreibende anzulocken. Das Argument: Es ist ja jetzt Gemeindefusion und da wär es ja gut, wenn sich da „in der Mitte“ mehr Gewerbetreibende ansiedeln. Auf Nachfrage, ob darüber nachgedacht wird, wie es mit dem Ortskern in der „Hauptgemeinde“ Vorau weitergehen soll – denn viele Gewerbetreibende, die dort ihre Geschäfte haben, gehen in eingen Jahren in Pension – wurde mir mitegeteilt, dass hauptsächlich Büros im ausgebauten Zentrum ihren Platz finden sollen. Ist ein gutes Argument, nur: ich glaub es nicht. Auch in Vorau wurde in den letzten Jahren begonnen, aus dem Ortskern raus zu gehen. Ein Spar, ein Schlecker (zur Zeit Leerstand) und ein neues Kaffeehaus wurden etwas außerhalb errichtet. Der erste Schritt ist somit bereits getan und das macht die nächsten leichter.

Das für mich allerschlimmste: für diese Bauten von Einkaufszentren, die eigentlich keine/r von uns braucht, gibt es Förderungen vom Land und von der Wirtschaftskammer. Im Burgenland hat die Politik bereits festgestellt, dass es doch nicht so eine gute Idee war, die Betriebe aus den Zentren raus zu locken. Und wie wird hier gegengesteuert? Genau: mit Förderungen für Gewerbetreibende, damit sie sich wieder in den Zentren ansiedeln. Da beißt sich für mich die Katze in den Schwanz und ich würd am liebsten heulen, bei so viel Dummheit und so viel Geld, was einfach verschossen wird.

Ich gebe zu, ca. zwei Mal im Jahr verirre ich mich in ein EKZ, aber die Verweildauer beträgt max. 1,5 Stunden. Aber generell habe ich für mich beschlossen, keine Einkaufszentren zu finanzieren, indem ich dort einkaufen gehe. Denn es ist für mich die beste Methode, um den Einzelhandel zu unterstützen!

It´s easy being green – Just do it!

 

Kommentar verfassen