Fairphone 1

Endlich ist es soweit. Nach langem hin und her überlegen, habe ich mir das Fairphone 1 bestellt. Und ich bin stolz darauf. Nach einiger Zeit des Wartens ist es endlich in Wien eingetroffen und ich fühlte mich wieder wie ein kleines Kind, dem das Christkind einen Besuch abgestattet hat.

So kam ich zum Fairphone 1

Erfahren habe ich das erste Mal von der Idee im Südwindmagazin, anschließend war ein Artikel in der Tageszeitung Die Presse zu lesen, nach der ersten Produktion gab es einige Kritik vom Standard  zu lesen, dass das Telefon nämlich nicht so fair ist, wie es scheint. Als ich mitbekam, dass eine zweite Produktion startet, beschloss ich, mir so ein Teil zuzulegen und recherchierte zuvor noch die technischen Daten und Kritiken und hörte mich bei Bekannten um, die bereits bei der ersten Lieferung Fairphones bestellten. Unterm Strich hieß es: ganz passabel, für durchschnittliche Smartphonuser – und da zähle ich mich eindeutig dazu. Die technischen Details zur 2. Auslieferung gibt´s hier. Ich persönlich hatte einige Probleme beim Bestell- bzw. Zahlungsvorgang, Bekannte haben mir berichtet, dass es bei ihnen einwandfrei geklappt hat, deshalb vermute ich, dass ich tatsächlich einfach nur Pech hatte. Aber nach dem dritten Anlauf hat es funktioniert und ich wollte dieses Teil unbedingt haben. Nach zwei Monaten Wartezeit ist es nun soweit. Und kleine Info am Rande: Warten tut nicht weh – Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude und das kann ich wieder einmal nur bestätigen.

Ein erstes Fazit zum Fairpohne 1

Gemeinsam mit guten Freunden kann ich nach den ersten Tagen folgendes Resumee ziehen:

  •  es ist ca. so schwer, wie ein iPhone 4
  • es ist etwas dicker als ein Samsung Galaxy, aber annähernd so dick, wie ein iPhone
  • das Installieren von Apps und allem Pi-Pa-Po was man sonst noch braucht, geht inkl. Userguide ganz einfach – und das sage ich, als ewige Smartphone-Verweigerin
  • das Menü wurde offenbar von Samsung „geklaut“
  • es können zwei Sim-Karten eingelegt werden, was für viele als Vorteil gewertet wird. Für Nano- und Micro-Sims können Adapter auf der Website erworben werden
  • die Kamera ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als bei meinem bisherigen Telefon (HTC)
  • W-Lan Verbindung funktioniert einwandfrei, Hotspot ebenfalls
  • angeblich macht es nach dem ersten Update ein paar Faxen, aber das Supportteam ist so auf Zack, dass ich mir da überhaupt keine Sorgen mache

Was mich am Projekt so sehr fasziniert

  • Auf der Website steht neben dem Produkt die Geschichte im Vordergrund – gemeinsam können wir etwas bewegen und verändern
  • Der Projektstart wurde über Crowdfunding finanziert (die Crowd, also (Menschen)Masse war von Beginn an in das Projekt involviert)
  • ArbeiterInnen, die für Fairphone produzieren, bekommen Überstundenzuschläge ausbezahlt und einen freien Tag pro Woche. Weiters wurde für sie ein Fonds eingerichtet, wo pro verkauftem Gerät EUR 4.- hineinfließen. Gemeinsam mit den MitarbeiterInnen wird entschieden, wie das Geld eingesetzt werden soll. Es ist noch ein weiter Weg zu besseren Arbeitsbedingungen, aber ein erster Schritt ist getan.
  • Akku sowie Displayglas und Touchsensor können separat ersetzt werden
  • Zinn und Tantal werden aus konfliktfreien Mienen bezogen (die restlichen 28 Metalle bzw. seltenen Erden, können aufgrund zu vieler Zwischenlieferanten nicht transparent nachverfolgt werden – aber immerhin kommunizieren sie das ganz transparent)
  • Handytasche, Kopfhörer und Ladekabel werden nicht automatisch mitgeliefert, da davon ausgegangen wird, dass so ziemlich jede/r vom alten Handy davon noch etwas rum liegen hat. Bei Bedarf kann bestellt werden.

Kritik ja, aber das Fairphone ist trotzdem ein tolles Projekt

Der Standard hat mit seiner Kritik, dass nur ein kleiner Anteil fair ist, schon recht. Aber immerhin bemüht sich dieses Unternehmen mit Sitz in Amsterdam, einen Anteil der Materialien so gut es die heutigen Strukturen zulassen, fair zu produzieren bzw. zu verarbeiten und sie lassen auch die ökologischen und sozialen Aspekte nicht außer acht. Mich begeistert ebenfalls die Transparenz, die dieses Unternehmen kommuniziert. Das Argument, dass so wenig fair ist, dass es eigentlich nicht als Fairphone bezeichnet werden dürfte, hat mich kurz darüber nachdenken lassen und ich sage: doch, das Fairphone darf schon Fairphone heißen. Denn neben dem Kleinen Anteil, der tatsächlich fair produziert werden kann, ist auch die vollkommene Transparenz gegenüber den KonsumentInnen fair. Und deshalb geht es sich für mich unterm Strich aus. (Kleiner Tipp: Verleiche mal die Website von Fairphone mit Appel – gleich auf den Startseiten wirst du gravierende Unterscheide feststellen)

Verpackung Fairphone 1

transparente Verpackung – alle mitproduzierenden Länder sind am ersten Blick erkennbar

Userguide - ausgedruckt

Userguide – ausgedruckt

 

Lange Rede, kurzer Sinn

Das Fairphone ist für all jene (mich mit eingeschlossen), die sich für eine nachhaltige Lebensweise entschieden haben, aber nicht auf Kommunikationsmittel wie das Handy verzichten möchten. Mit einem Preis von EUR 300.- liegt das Handy im leistbaren Bereich, habe ich doch keine Vertragsbindung bei irgendeinem Handyanbieter eingehen müssen. Wenn ich lese, dass das neue iPhone bis zu EUR 1.000.- kosten wird, denk ich mir schon, dass das in absolut keiner Relation mehr steht. Bei Fairphone ist noch viel zu tun, aber der erste Schritt in die richtige Richtung wurde gemacht. Ich wünsch ihnen weiterhin so viel Erfolg und viele interessierte KonsumentInnen, die die Idee weiter verbreiten!

Wer mehr zum Thema Clean IT wissen möchte, ist bei Südwind sehr gut aufgehoben: http://www.clean-it.at/

Für weitere Detailinfos zum Gerät bzw. zur Idee, lohnt es sich den Artikel des factory-Magazins zu lesen. Und hier geht´s zum Unternehmen.

 

Das Telefon mit netter Begrüßung auf der Folie

Das Telefon mit netter Begrüßung auf der Folie

Metallgehäuse

Metallgehäuse

Fairphone (links) im Vergleich zu Samsung Galaxy (rechts)

Fairphone (links) im Vergleich zu Samsung Galaxy (rechts)

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