Sparen und Investieren

Wenn am Ende des Monats doch einmal zu viel Geld übrig bleibt, gibt es Überlegungen, was damit gemacht werden soll. Leiste ich mir doch etwas, das ich schon immer haben wollte (unterm Strich komme ich aber immer wieder darauf, dass ich eigentlich schon alles habe, was ich mir wünschte und noch viel mehr) oder spare bzw. investiere ich es für magere Zeiten oder um in einigen Jahren eine größere Anschaffung vornehmen zu können?

Als ehemalige Studentin hab ich noch immer nicht sehr viel Geld auf meinem Konto rumliegen, aber das monatliche Sparen wollte ich nicht ganz auslassen, um wenigstens einen kleinen Geldbetrag zur Verfügung zu haben. Als langjährige Kundin einer Bank in der Steiermark und dann in Wien bei dessen „Tantenbank“ wurde mir diese Keilerei um zusätzliche Produkte zu blöd. Ich find es eine Frechheit, dass die Konten der KundInnen auf Guthaben gescreent werden und dann sofort ein Anruf erfolgt, weil auf einmal das jährliche „Gespräch“ notwendig ist.

Die normale Bank gab auf

Mit meinem bescheidenen Guthaben von EUR 2.000.- auf dem Konto wollte mensch mich in Wien dazu überreden, zu investieren. Ich stellte meine Forderungen auf: keine Aktien, keine Rüstungsindustrie, keine Rohstoffspekulationen, keine Kinderarbeit etc. – es war klar, ich würde nur bei ethisch vertretbaren Vorschlägen anbeißen. Übrig blieb der Vorschlag Fonds. Beim Begriff Pharmaindustrie wurde mir gleich übel und beim Vorschlag Immobilien erklärte ich dem Bankbetreuer kurz, was auf dem privaten Wohnungsmarkt so abgeht und wie EigentümerInnen und Hausverwaltungen mit den MieterInnen umgehen. Tja, der Herr war dann etwas in Bedrängnis. Er hatte nix mehr, außer das normale Sparkonto.

Warum ich mich gegen ein normales Sparkonto entschied

Dazu teilte ich ihm mit, dass ich das Geld bald benötige, da ich eine Zahnspange bekommen würde. Zahnspangen sind teuer. Ich brauch Zugriff auf mein Geld und möchte bei Abhebung keine Pönale zahlen müssen. Bei dem Produkt wäre dies der Fall gewesen, so weit ich mich erinnere, zwar nur 1 Promille, aber immerhin.  So nett wie ich aber bin, schloss ich das Gespräch folgendermaßen ab: „Für Fonds hätt ich ohnehin kein Geld und dieses Sparkonto mit den höheren Zinsen überleg ich mir. Ich melde mich, sollte ich mich dafür entschieden haben.“

…und dann die Bank wechselte

Nachdem er mir einige Wochen später am Telefon offenbart hat, dass er mir nun dieses Sparkonto mit den höheren Zinsen einrichtet und mir die Unterlagen zum Unterschreiben zuschickt, war für mich Sense. Mit einer Wut im Bauch, die ich zuvor nicht kannte, sagte ich dem Herrn zum wiederholten Male, dass ich kein Geld zur Verüfung hätte, bzw. das, was ich habe, bald weg sein würde. Wenige Tage später kündigte ich mein Girokonto und Profit-Sparkonto bei dieser Bank und habe mein Girokonto bei einer Onlinebank eröffnet. Seitdem bleibe ich von Keileranrufen verschont und machte mich auf die Suche nach alternativen Sparformen – so weit wie nur möglich weg von Banken.

Ethisch sparen in Österreich

Ich habe einige Zeit dazu recherchiert und mein Fazit lautet: Das Angebot in Österreich an ethischen Sparformen ist mehr als mau. Deutschland bietet da schon mehr, was aber für AnlegerInnen aus dem Ausland meist kompliziert ist.

Ich habe mich für zwei Produkte entschieden, die für mich passen. Da wäre einmal meine Anlage bei Oikocredit Austria – das ist sozusagen meine Pensionsvorsoge (hier zahle ich monatlich einen kleinen Betrag ein) und dann noch das Online-Ethik-Sparen von Schelhammer & Schattera. Diese bieten auch ein Ethik-Kapitalsparbuch oder einen Ethik-Fonds.

Ganz knapp erkläre ich hier kurz die zwei Formen, für die ich mich entschieden habe:

Oikocredit

Oikocredit ist eine Genossenschaft mit Sitz in Holland. Die AnlegerInnen können sehr einfach Genossenschaftsanteile erwerben (Mindesteinlage EUR 200.-), mit denen Mikrokredite in Ländern des globalen Südens vergeben werden. Das Marketing und die Administration der in Österreich gekauften Geldanteile betreibt der Österreichische Förderkreis. Hat man einen Anteil erworben, ist es möglich Geld drauf zu legen, wann immer und in welcher Höhe man möchte. Die Verzinsung beträge MAXIMAL 2 Prozent im Jahr (was eigentlich immer der Fall ist), es gibt keine Garantien, wie bei einer herkömmlichen Bank, da das System auf Vertrauen basiert und es funktioniert seit über 35 Jahren. Lediglich in der Asienkriese der 1990-er Jahre musste die Dividende, die jährlich von der internationalen Generalversammlung festgelegt wird, auf 1 Prozent herunter korrigiert werden. Bei jedem Ankauf gibt es eine Bestätigung, und im Juni gibt es die Dividendenmitteilung, jedoch gibt es kein übliches Sparbuch (was eigentlich auch wurscht ist). Der Mitgliedsbeitrag von EUR 20.- im Jahr deckt einen Teil der Administrationskosten – es fallen keine weiteren Kosten (wie etwa Depotkosten, Auflösungskosten etc.) an.

Ethiksparen

Für das online-Ethiksparen kann man sich ganz einfach online auf der Website anmelden, nach Prüfung der Daten wird der Vertrag zugeschickt und nach wenigen Tagen kann man sich mit den Zugangsdaten schon online einloggen. Der Mindestbetrag sind entweder einmalig EUR 1.000.- oder monatlich EUR 50.- (das hab natürlich ich gewählt 😉 ). Es werden also monatlich EUR 50.- von meinem Girokonto (das übrigens für diese Sparform Voraussetzung ist) abgebucht. Ich bekomme keine extra Mitteilung von der Bank zu meinen Einzahlungen, sehe die Abbuchung also nur am Kontoauszug. Und das ist gut so. Das Sparkonto ist sowas von außer meiner Wahrnehmung, dass ich mich in wenigen Jahren über das angesparte Sümmchen freuen werde. Natürlich könnte ich mir jederzeit das Geld wieder auf mein Girokonto rücküberweisen.

Für mich optimal

Und das ist für mich optimal – ich brauch Zugang zu meinem Geld und fange wenig mit gesperrten Sparbüchern oder gebundenen Fonds an. Die Verzinsung beläuft sich auf 0,25 % pro Jahr, also verschwindend. Aber mir ist es wichtiger, dass mit meinem Geld keine schwindeligen Sachen gemacht werden, als die hohe Rendite. [Edit 17.9.2017: Diese Sparform habe ich wieder aufgelöst, weil ich das Geld benötigt habe, die Zinsen immer niedriger wurden und ich bislang noch nicht das Bedürfnis hatte, das Konto wieder zu aktivieren)

Alle drei Formen (Girokonto, Oikocredit, Ethik-Sparen) sind sehr unbürokratisch abzuwickeln, wenn man Fragen hat, sind die dafür zuständigen Stellen gut erreichbar und wenn ich mal Geld baruche, bekomme ich es innerhalb von wenigen Tagen. Somit: Daumen hoch!

Weitere Spar- bzw. Investitionsformen

Crowdfunding bzw. Crowdinvesting (z. B. Grüne ErdeHelios etc. aber es gibt auch diverse Plattformen, wie z. B. Green Rocket, wo  zwischen mehreren Projekten gewählt werden kann)

Fonds (z. B. Styler Bank, FairWorldFonds)

Darlehen (z. B. Jugend Eine Welt)

Weitere Infos zum Thema „Grünes Geld“ gibt´s hier

In meinem Umfeld nehme ich wahr, dass es vielen zu mühsam ist, die Bank zu wechseln oder etwas Neues auszuprobieren, bei mir war es lange nicht anders, aber:

PS: Das Geld ist aber auch in einen selbst gut investiert 😉

 

Zahnspange

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